So, nun hatten wir uns also für diese Gruppenreise entschieden, die uns nach Indien bringen sollte. Indien – das klingt nach Bollywood, bunt und laut, das klingt aber auch nach Armut. In meiner Kindheit war ich ein großer „Fan“ von Mutter Theresa. Ich hatte in meiner katholischen Gemeinde immer mal wieder etwas über Indien gehört. Aber eigentlich hatte ich gar keine Ahnung von Indien. Für Jens und mich heißt das dann ja immer, Ahnung bekomme ich nur, wenn ich es mir selber anschaue. Also auf nach Indien! Alles, was Chamäleon so geschrieben hatte, habe ich genauestens studiert, über den Rest wollte ich mir gern vor Ort ein Bild machen.

So stiegen wir am 11.2.2017 ins Flugzeug und flogen nach Delhi. Wir waren gespannt auf die anderen Mitreisenden und eigentlich offen für das, was da so auf uns zukommen würde. Nur war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, dass diese Art zu reisen so ziemlich genau gar nicht zu uns passt. Wir haben uns angepasst und viel runtergeschluckt, 12 Tage lang waren wir fremdbestimmt – aber das war von uns ja so ausgesucht. Wir haben nette Mitreisende kennengelernt, die in etwa so wie wir getickt haben. Das war es auf jeden Fall wert.

In Indien angekommen, stellten wir schon im Taxi zum Hotel fest, dass wahrscheinlich viele Gebete nötig sind, um den indischen Straßenverkehr unbeschadet zu überleben. Gut, dass es in Indien genug Götter gibt, die man dazu aufsuchen kann 😉

Am Morgen unseres ersten Urlaubstages lernten wir die Mitreisenden kennen, 12 Tage haben wir nun Zeit uns aufeinander einzustellen. Außerdem lernten wir auch unseren Reiseleiter kennen. Nach einem Tag war mir schon irgendwie klar, dass dies zumindest mal für mich eine Herausforderung wird. Im Bus gab es zum Weghören zum Glück Kopfhörer und ein Hörbuch, in Sehenswürdigkeiten war es außer Herausforderung manchmal auch Heimsuchung. Wirklich sinnhaftes über Indien haben wir von ihm nicht erfahren, da war das Buch „Kulturschock Indien“ der bessere Begleiter. Jens musste noch mehr leiden, gab es für ihn kaum ausreichend Zeit zu fotografieren.

Der erste Ausflug führte uns dann auch entgegen der Angaben bereits am Sonntag in einen indischen Handwerksbetrieb. Da es Sonntag war, gab’s leider nicht viel zu sehen. Es gab leider nur ein paar hinbestellte Frauen, die uns zeigten, wie die Taschen für die Chamäleon-Flaschen genäht werden.

Der anschließende Marktbesuch ließ uns schon einmal ahnen, wie es wohl in Zukunft werden würde. Wir durften nicht aus dem Bus aussteigen und besuchten den Markt also im Bus 🙁

So wird sich das während unserer Reise immer wieder gestalten. Es wird überraschend umgeplant und umgebucht, nicht immer sind wir davon begeistert. Schon am zweiten Tag sitzen Jens und ich in unserem Hotelzimmer, schauen uns an und sagen quasi gleichzeitig: „Nie wieder Gruppenreise!“ Dabei hat uns keiner der Mitreisenden etwas getan, aber wir wissen ganz sicher, dass wir dazu nicht gemacht sind.