Der erste Morgen zeigte zumindest mir, dass das Bett nicht so super kompatibel war. Daher war ich fast ein bisschen froh, als der Wecker klingelte. Jens auch aus dem Reich der Träume zu holen, hat etwas länger gedauert, aber kurz vor acht haben wir es dann zum Frühstück geschafft. Ähnlich wie gestern Abend war die Auswahl riesig, vor allem am Brot und den Brötchen wurde auf keinen Fall gespart. Auch die obligatorische Omelette-Station fehlte nicht und so begann das Frühstück damit.
Pünktlich 9 Uhr kam unser Guide und gemeinsam mit 4 weiteren Menschen machten wir uns auf den Weg zu den Pyramiden. Obwohl sie vom Hotel aus recht nah aussehen und wir den Eindruck hatten, wir müssten nur über die Straße gehen, waren wir dann mit dem Auto doch ein Weilchen unterwegs. Bei den Pyramiden angekommen, besorgte unser Guide die Tickets und danach fiel ihm ein, dass er uns doch fragen könnte, ob wir auch in die Cheops-Pyramide wollen. Da einer unserer Mitreisenden das sowieso auf dem Plan hatte, schlossen wir anderen uns an. Für 27€ pro Person waren wir dabei. Organisiert ist das alles schon für große Maßstäbe. Auf dem Gelände gibt es zwei Buslinien, die zwischen Eingang, den Pyramiden und der Sphinx verkehren. Die Busse fuhren gefühlt im Minutentakt. Erster Halt ist die Aussicht auf alle drei der Großen Pyramiden, von links nach rechts wären das die Pyramiden des Cheops, seines Sohns Chephren und ganz rechts die Pyramide des Mykerinos. Dass die Cheops-Pyramide die größte von allen ist, wissen die meisten, Jens hatte bis heute gedacht, sie stünde in der Mitte. Ist aber nicht so, es ist die linke. Die Chephren-Pyramide in der Mitte wirkt nur höher, weil sie auf einem höheren Plateau steht und an der Spitze noch Teile der ursprünglichen Kalksteinummantelung vorhanden sind.
Wir haben zuerst die Große Pyramide mal umrundet, immer den Gedanken im Kopf, wie alt dieses Bauwerk schon ist. Das ist der blanke Wahnsinn, was die damals auf die Beine gestellt haben. Wir vergegenwärtigten uns, dass bspw. Cleopatra näher an der Erfindung des iPhone lebte als am Bau der Pyramiden!
Als wir dann auf der Nordseite angekommen waren, hatten wir eine Vorstellung vom „Big Business“ an diesem Ort. Eine sehr lange Schlange wartete darauf, in die Grabkammer zu kommen. Wir stellten uns brav an und schon in der Reihe war klar, dass diesmal wir die Dehnung der Zeit nutzen mussten. Zum verabredeten Zeitpunkt, 11:30 Uhr, standen wir immer noch vor der Pyramide 😳 Irgendwann haben wir es dann geschafft und wenn uns unser Guide vorher verraten hätte, was mich erwartet, hätte ich das Geld auf meinen Konto gelassen. Das es sehr warm wird, wussten wir und das es eng wird, wussten wir auch. Aber wie lang es eng ist und wie steil es nach oben ging, blieb ein Geheimnis bis wir es sahen. Diverse Filme, die mit diesem Thema spielen, übertreiben an dieser Stelle nicht! Wir hätten es wissen können. Ein Blick auf den Schnitt der Pyramide hätte uns misstrauisch machen müssen.

Damit habe ich mein Knie schon am ersten Tag des Urlaubs vor eine ordentliche Herausforderung gestellt. Den Aufstieg haben wir aber super geschafft, irgendwie sind wir in die Grabkammer gekrochen, es war 35° warm und es gab einen leeren Sarkophag zu sehen. Na ja, geschichtlich kein Highlight, aber immerhin ein Abenteuer. Der Abstieg stellte sich, vor allem für die Beine, als noch herausfordernder dar. Jens verlor dann gleich mal das Gleichgewicht und legte sich der Länge nach in der Pyramide hin. Zum Glück waren wir ja schon ziemlich nah am Boden, so dass der Sturz zwar spektakulär aussah, aber glimpflich ablief.
Wieder im Freien war es nicht mehr ganz so warm wie drin, aber nun hatte auch die Außentemperatur ägyptische Verhältnisse (für Februar) und ab da war es mir zumindest dort etwas zu warm. Als unser Grüppchen vereint am Bus angekommen war, ging die Fahrt noch zur Sphinx. Die sah aus der Ferne eigentlich netter aus als im touristischen Getümmel direkt davor, aber da hatten wir irgendwie nicht mitzureden. Wir haben also von ganz Nahem angeschaut, was Obelix da so kaputt gemacht hat.
Mit dem Bus fuhren wir zurück, wie wir gekommen waren. Am Eingang erkannten wir, dass der größte Run für diesen Tag Geschichte war. Der Vorplatz war im Gegensatz zu heute morgen fast leer. Wir jedenfalls hatten unseren Teil dazu beigetragen, dass in der Hauptsaison Oktober bis Mai jährlich 15 Millionen Besucher die Pyramiden sehen.
Gestern schon hatte der Verantwortliche für unsere Reise uns mitgeteilt, dass die anderen Mitreisenden des heutigen Tages noch einkaufen wollen und wir entscheiden können, ob wir mitwollen. Da wir alle davon ausgingen, dass wir nun noch einen Basar besuchen, war die Verwunderung groß, als wir plötzlich in einem Laden für Öle gelandet sind. Ich musste in mich reinlachen, dass wir nun schon am ersten Tag zu einer Verkaufsveranstaltung geschleppt wurden, aber immerhin gab es guten schwarzen Tee und wohlriechende Öle. Jens und ich konnten uns beherrschen und kauften nur ein kleines Fläschchen und ließen uns auch zu nichts anderem überreden. Unsere Mitreisenden waren da einkaufswütiger und verfielen den reichlichen Offerten 😁. Grotesk ist in Gizeh tatsächlich, dass in den Gassen am Ende immer wieder die Pyramiden zu sehen sind.
Statt eines Basars gab’s dann auch beim zweiten Stopp wieder einen Laden, diesmal für Baumwollsachen. Da hüpfte dann doch tatsächlich ein Tuch in meine Tasche 😉. Danach ging’s zurück in unser Hotel, für die einen zum und in den Pool, für uns unter die Dusche und an die Bar, wo es auch ganz hervorragende Mocktails gab.
Dass wir hier heute Big Business erleben und ertragen würden müssen, wussten wir vorher. Tatsächlich fällt uns aber kein Ort auf der Welt ein, wo die Menschenmenge noch größer wäre. Wir wollten die einzigen noch existierenden antiken Weltwunder unbedingt einmal sehen, haben wir jetzt gemacht. Aus unserem Guide heute sprudelte nicht gerade altägyptisches Wissen über die 3. und 4. Dynastie heraus. Hier braucht es das auch nicht unbedingt. Das kann man selbst lesen, davor oder danach. Hier gibt es nicht dieses oder jenes Relief zu sehen, was unbedingt vor Ort erklärt werden müsste, weil dies nur im Angesicht Sinn ergibt. Die Pyramiden wirken mit ihrem Alter in ihrer schieren Größe, ohne, dass jemand etwas dazu sagen müsste. Wir für unseren Teil haben unzählige Dokumentation über sie gelesen und gesehen, die ersten davon zu einer Zeit, als wir kaum davon träumten, die Pyramiden einmal selbst bestaunen zu dürfen. Insofern: Danke auch dafür!
