Auch heute klingelt der Wecker wieder. 6 Uhr werden wir auf der Dahabeya abgeholt und ein letztes Mal über den Nil gebracht. Dort wartet schon das Taxi, welches uns zum Flughafen bringt. Der Flug geht fast pünktlich. Nach ich weiß nicht wie vielen Flugmeilen bleibt heute mein Inbus-Schlüsselset, welches ich immer mal am Stativ brauche, am Boden – „not allowed!“ ist der Kommentar des Sicherheitsbeamten. Ich frage mich innerlich, wie ich wohl damit hierher gekommen bin und lasse es ohne zu diskutieren hier. Das kann ich verschmerzen, davon habe ich noch mehrere.

Mit nur einer halben Stunde Verspätung landen wir in Kairo, an der Gepäckausgabe sind wir die Letzen. Unser Guide für heute wartet schon. Sayed, seiner eigenen Aussage nach „unser Reiseleiter in Kairo“ ist auch da, nur um uns unseren Mohammed vorzustellen und dann wieder zu verschwinden. Den Taxifahrer kennen wir schon und wir meinen zu erkennen, dass er sich auf uns freut. Kein Wunder, bisher waren wir mit dem Backschisch ihm gegenüber recht großzügig. Er ist in netter, zurückhaltender Typ, der eine sehr defensive und ruhige Fahrweise an den Tag legt. Mir scheint, damit ist er in Kairo eine Ausnahme.

Kaum im Auto beginnt Mohammed mit dem Guiding. Heute haben wir nur ein Ziel: das Grand Egyptian Museum, kurz G.E.M., gleich neben den Pyramiden in Gizeh. Viel haben wir schon davon gehört, fast alle, mit denen wir darüber sprachen, waren begeistert. Von außen konnten wir es schon bestaunen, als wir die ersten Tage in Gizeh waren. Mohammed entwirft im Auto eine Karte von ganz Ägypten und beginnt noch einmal ganz von vorn. Ich sehe von hinten, dass er sogar eine Stichpunktliste hat, teils in Arabisch, andere Fragmente darauf in Deutsch. Vielleicht etwas spät nach 14 Tagen Ägypten, wenn er jetzt ganz vorn beginnt? Aber vielleicht ist das sogar didaktisch schlau, so als Wiederholung. Er macht das wirklich gut. Der Fahrer bringt uns bis vor das Museum. Wir haben jetzt den ganzen Tag Zeit, unser Hotel liegt direkt gegenüber auf der anderen Seite der vielspurigen Straße.

Erst müssen wir aber etwas essen, wir haben heute noch gar nichts im Magen. Das Angebot dafür ist im Museum groß und international. Hier gibt es sogar Brot, dass fast an heimische Maßstäbe herankommt. Die Preise sind es auch oder auch höher. Egal, wir haben Hunger.

So gestärkt beginnen wir bei der Tutanchamun-Ausstellung. 3 Stunden wird uns diese beschäftigen. Wir dachten, die wichtigsten Dinge gut zu kennen, da eine Wanderausstellung über das Grab des Pharaos auch in Dresden gastierte und wir uns alle Sarkophage und Schreine dort schon intensiv anschauen konnten, wenn auch nicht im Original. Hier aber sind nicht nur diese ausgestellt, sondern alle Grabbeigaben. Wir kommen zu dem Schluss, dass Ägypten „leer“ gewesen sein muss, als das Grab 1323 v. Chr. geschlossen wurde. Was müssen die Beteiligten gedacht haben, als Howard Carter das Grab 1922 öffnete und dieses randvoll mit Beigaben war? Nach drei Stunden und vielen Erläuterungen entlässt uns Mohammed, so dass wir das Museum jetzt selbst erkunden können. Wir lassen die schiere Größe des Bauwerkes auf uns wirken und schauen uns die Sonnenbarke des Cheops an.

Dann sind wir gesättigt, man könnte hier aber noch Tage zubringen. Nach mehr als vier Stunden haben wir genug und unterhalten uns noch mit Mohammed über seine Meinung zum Museum, dessen Bau und über die allgemeine Lage in Ägypten. Ich frage ihn, ob er als Ägypter stolz auf dieses Museum ist. Wir sehen Funkeln in den Augen, er meint jedoch, man hätte mit der halben Milliarde, die das Museum gekostet hat, wichtigere Dinge tun können. Dem alten König Mubarak – ääh Präsidenten – waren die Kosten immer zu hoch. Mit der aktuellen Politik ist er nur bedingt einverstanden, vor allem nicht mit der dominanten Rolle des Militärs. Der Versprecher König vs. Präsident kommt nicht von ungefähr…

Jens

Er fotografiert und manchmal schreibt er auch.

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