Am Morgen klingelte zwar 6 Uhr der Wecker, aber da die Sonne so gar nicht zu sehen war, blieben wir noch ein bisschen in der Wärme des Zeltes. Ca. 4 Uhr hatte sich der Wind gelegt und ab 5 Uhr war ich dann eigentlich auch wach. Bei der ersten Dämmerung verließen wir das Zelt und sahen Walid noch selig schlummernd im Windfang liegen.
Nach Sonnenaufgang und Morgenhygiene (in der Wüste gar nicht so einfach) bekamen wir ein warmes Getränk und einen kleinen Snack. Unsere Idee war eigentlich, so zeitig wie möglich loszukommen, damit wir bei perfektem Licht in „The White Desert“ ankommen. Das traf schon am Vorabend auf mürrische Zustimmung, aber da wir ja schon rumwuselten, blieb Walid nichts anderes übrig, als das Auto zu beladen und loszufahren. Die Hand war ja wieder gesund und so mussten wir uns keine Sorgen machen, dass unser Fahrer nicht fahren kann.
Den ganzen Tag würde uns zusätzlich zu den Wundern der Wüste die Diskussion um unser Nachtlager begleiten. Walid wollte uns für die nächste Nacht in einem Camp in der Nähe des Magic Lake unterbringen. Wir Frauen und eigentlich auch die Männer bestanden aber zunehmend bestimmter auf heißer Dusche und Toilette im Zimmer. Schließlich hatten wir genau dafür bezahlt. Unsere bzw. Jens Vermutung war, dass Walid für den ganzen Trip durch die Wüste einen festen Betrag bekommt und dann anfängt zu optimieren, um möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften.
Gegen 8:30 Uhr war es dann soweit und wir konnten losfahren. Die ganze Zeit sahen wir schon die Formationen der weißen Wüste am Horizont und endlich in die Nähe gekommen, konnten wir sie auch bestaunen. Ein Stück liefen wir durch die Gegend, um dann an der Hauptattraktion „Mushroom & Chicken“ rauszukommen.
Es ist schon lustig, was man in so ein paar Steine reininterpretieren kann. An diesem Ort konnten wir uns aber ganz viel Zeit nehmen, um alles zu bestaunen und auf Foto festzuhalten, bevor es dann wieder Richtung Oase ging. Walid schlug uns vor, dass wir unser ausgefallenes Frühstück in einer Cafeteria als Lunch zu uns nehmen könnten. Dem stimmten wir zu und lernten wieder mal was neues. Eine Cafeteria in hiesigen Gefilden ist ein Ort, in dem sich Touristen von ihren Strapazen ausruhen und ihre Guides in der Zwischenzeit für sie kochen 😉. Da konnten wir uns auf Walid verlassen, unserem Lob am Vorabend, das er ein guter Koch sei, begegnete er mit der Aussage, das wisse er, er sei ein sehr guter Koch 😁. Na dann!
Nach einem sehr leckeren Lunch, der nicht mehr ganz sandfrei war – das ist dann so in der Wüste – ging es für uns weiter. Der Wunsch der Fotografen war, nochmal in der schwarzen Wüste zu halten, damit diese nochmal bei anderem Licht „abgelichtet“ werden könne. Walid hat diesen Wunsch ganz sicher nicht verstanden, aber ihn trotzdem erfüllt und es sind dann auch wirklich ein paar schöne Bilder rausgekommen.
Schlafe nicht in Seidentüchern, bis du über Sand gegangen bist.
Je mehr wir uns der Oase näherten, umso angespannter wurde die Stimmung im Auto. Walid nahm sicherlich wahr, dass wir alle etwas davon genervt waren, dass er uns unbedingt in einem preiswerteren Hotel unterbringen wollte. Wir hatten uns mittlerweile via Booking kundig gemacht und einige freie Hotels gefunden, die wir auch angemessen fanden und deren Preis auch voll im Rahmen lag. Und die Seidentücher aus dem arabischen Sprichwort hatten wir uns redlich verdient. Wir waren nicht nur über Sand gegangen, sondern hatten darauf und darin sogar genächtigt!
Im Ort angekommen fuhr er uns also zu einem ersten Hotel, in dem uns die Zimmer gezeigt wurden. Walid sagte uns mehrfach, das wir nicht sagen sollten, dass wir ein Zimmer bräuchten, aber die Gefahr bestand bei der Qualität der Zimmer auch nicht. Nach diesem letzten Versuch seinerseits bestanden wir darauf, in das Hotel zu fahren, das in unserem Angebot stand. Dazu mussten wir erst einmal zum ersten Hotel in der Oase, um unser Gepäck abzuholen. Da wir dort 4 große Gepäckstücke hatten, musste ein bisschen improvisiert werden, notfalls auch auf dem Dach.
Im neuen Hotel angekommen, stellte sich heraus, dass wir die einzigen Besucher sein werden. Warum wir nicht gleich hier untergebracht wurden, wird sich uns wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit nicht erschließen, aber es war eine sehr gute Entscheidung. Nach einem versöhnlichen Abschluss mit Walid und Tee sprangen wir alle unter die Dusche und er fuhr nach Hause, nicht ohne noch zu verkünden, dass er morgen erst 1 Uhr nachmittags kommen könne, da er noch ein Problem zu lösen hätte. Da Jens und ich nicht so hart verhandeln können wie Alessandra 😉 haben wir ihn auf 11:00 Uhr hochgehandelt, immer im Wissen, dass er vielleicht doch erst 13:00 Uhr erscheint.
Nach der Dusche und frischen Klamotten sah die Welt schon wieder anders aus und wir freuten uns auf unser Abendessen. Dieses war eine große Überraschung, vielfältig, lecker, reichlich und immer von guten Gesprächen begleitet. Danach ging es allerdings für uns vier nur noch Richtung Zimmer und Bett, die letzte Nacht in der Wüste hatte nicht so viel Schlaf gebracht, wie der ein oder andere von uns brauchte.
