Wider Erwarten pünktlich ,-) kam unser Fahrer und Reisebegleiter Walid am Morgen in unser Hotel. Bereits am Vortag hatte er uns eröffnet, dass wir nach unserem Wüstentag nicht in dieses zurück dürfen, da es wohl eine große Gruppe gäbe. Ob das wirklich so ist, werden wir nie erfahren, wie wir in ein neues Hotel kommen, werdet ihr im Laufe der Zeit erfahren. Während ich diesen Teil des Berichtes schreibe, liegt die Zeit in der Wüste bereits hinter uns und wir sind um einige Erfahrungen reicher.
Wir packten also unsere Sachen mal wieder in unsere Taschen und stellten sie unter. Für die Wüste galt kleines Gepäck, mehr wäre auch nicht in das Auto gegangen. Nach dem Gepäck haben wir uns noch einsortiert und dann ging es los Richtung Wüste. Kurz nach der Abfahrt vom Hotel wollte sich Walid nochmal versichern, dass wir keinen Lunch gebucht hätten. Da mussten wir ihn dann aber eines Besseren belehren und er hielt am nächsten Laden an, um noch ein wenig Nahrung zu besorgen. Die Fahrt konnte nun wieder aufgenommen werden und in von Jens schon beschriebenem Tempo ging’s dann auf die größere Straße. Wir waren alle immer sehr gespannt, was uns so als Nächstes ereilen wird. Ein Programm, was für den Tag so vorgesehen war, gab es nur als sehr sporadische Auskunft, obwohl Alessandra alles daran setzte, mehr zu erfahren 🙂
Der erste Halt war dann nach einer kurzen Fahrt durch unbefestigtes Terrain in der „Black Desert“, der schwarzen Wüste. Dort gab es einen überschaubar langen Halt an einem ehemaligen Vulkan, Zeit für ein paar kurze Fotos und dann ging es weiter. Die beiden Fotograf:innen im Auto waren davon scheinbar etwas überrascht, aber Walid verstand ganz sicher nicht, wo denn jetzt das Problem wäre. Sie konnten doch Fotos machen…
Wir bekamen heraus, dass unser nächster Halt in den Chrystal Mountains stattfinden wird und einmal dort angekommen, „zwang“ vor allem Alessandra Walid durch begeisterte Stopp-Rufe immer wieder zum Anhalten. In den glitzernden Bergen hatten wir dann aber meiner Meinung nach ausreichend Zeit zum Fotografieren und Schauen. Ich finde, es gibt so viele Orte, wo die Schönheit der Natur zu Bestaunen ist, Wahnsinn!
Nichtsdestotrotz endete auch dieser Aufenthalt und wir schaukelten uns weiter durch die Wüste, mit immer mal wieder versuchsweise spektakulären Fahrvorführungen unseres Fahrers. Sicher ging er davon aus, dass wir alle uns das erste Mal in einer Sandwüste befinden und wollte auf die Weise beeindrucken. Das dem so nicht ist, wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht, fragte dann aber doch mal nach. Wir alle vier waren nun aber schon in so vielen Wüsten dieser Welt, dass wir es auf ein paar wenige beschränkten und selbst da kannte er nicht alle Länder.
Es gab immer wieder beeindruckende Stopps an beeindruckenden Spots und so kamen alle Beteiligten auf ihre Kosten. Unser mitreisender Drummer fand in unserem Kofferaum eine Darbuka, eine arabische Trommel, die er natürlich nicht einfach so liegen lassen konnte. Zusammen mit Walid gab es so einen spontanen Gig vor beeindruckender Kulisse. Dies führte letztendlich aber dazu, dass sich unser Guide für den Rest der Tour wohl nicht mehr traute, die Darbuka selbst zu spielen.
Am frühen Nachmittag wurde dann erst einmal ein Platz für die Übernachtung ausgemacht und dann ging es noch ein bisschen weiter zu einem Plätzchen neben Palmen für den Lunch. Während wir uns gemütlich in den Sand setzten, bereitete Walid ein fantastisches Essen vor, welches „leider“ zu einem großen Teil aus frischem Gemüse bestand. Außer mir entschieden sich dann aber alle, dass jetzt doch zu essen, weil es sonst einfach super unhöflich gewesen wäre. Jens und ich beugen bei dieser Reise ja erstmalig mit Tabletten gegen „Pharaos Rache“ vor, aber wer weiß schon, was passiert. Es sei vorausgeschickt, bis heute ist alles gut gegangen.
Nach dem Lunch setzte Walid das Auto um und wir konnten bei einem kurzen Spaziergang durch die Wüste das Essen wieder ablaufen. Dann begann der Aufbau des Nachtcamps und erstaunlicherweise befanden sich im Auto auch drei (!) Plastikklappstühle. Die Männer wechselten sich dann ab. Das war dann schon irgendwie abgefahren. So nebenbei erzählte Alessandra, dass sie beim Herumlaufen fast auf eine Schlange getreten wäre. Eben jene, deren Spur Jens fotografiert hatte. Da wurde Walid leicht panisch und erklärte uns, dass es sich um eine Hornviper handeln würde, deren Biss nun alles andere als harmlos wäre…
Während wir die Zeit mit Schwatzen und Gegend erkunden verbrachten, machte Walid sich sofort an die Zubereitung des Abendessens. Sämtliche unserer Anfragen ihm zu helfen, schlug er aus. Insgesamt war er dann auch mehrere Stunden gut beschäftigt. Nebenbei wurde noch das Feuer angezündet, damit in diesem später das Huhn garen konnte. Apropos Feuer: Bereits nach dem Lunch legte unser Guide plötzlich eine Plastiktüte mit den Müllresten ins Feuer. Wir konnten es nicht fassen, wussten aber erstmal überhaupt nicht, wie uns geschah. Wir haben eine Weile hin und her überlegt, ob man ihn mal über die giftigen Stoffe aufklärt, aber da selbst einfache englische Sätze schon schwer sind, haben wir es dann gelassen. Für uns hat es aber auch all unsere ökologischen Bemühungen zu Hause ad absurdum geführt, man, man, man. Aber weiter im Tageslauf:
Wir gingen dann auf die Suche nach dem perfekten Sonnenuntergangsspot, den es natürlich so nicht gab, zogen uns dann so langsam alles an, was wir so mithatten und wunderten uns, dass es nach Sonnenuntergang nicht windstill wurde. Zum Glück gab es zum Essen dann aber einen schönen Windschutz. Walid hatte zum einen eine leckere Suppe, richtig viel Gemüse und Reis gekocht, zum anderen wartete ja noch das Huhn im Feuer. Dann durften wir zum ersten Mal eine besondere Vorstellung erleben. Walid holte das Hähnchen aus dem Feuer, kam zurück an den Tisch und jammerte ganz furchtbar. Er habe aus Versehen daneben gegriffen und ein großes Stück brennendes Holz angefasst. Wir sind alle in Aufregung versetzt worden, haben überlegt, was wir jetzt wohl machen könnten, während er dann doch der Meinung war „after the meal, my friends“… So aßen wir also und beobachteten ihn immer wieder und wie von Zauberhand konnte er schon jetzt alle Finger wieder ganz normal benutzen. Ich gab ihm dann noch etwas von meiner Handsalbe und was soll ich sagen, sie hat das ganze vollständig geheilt 😂.
Nach dem Essen bekamen wir jeweils einen Schlafsack und eine schwere Kamelhaardecke, suchten uns in der Weite der Wüste eine Toilette und dann ging es ins Bett. Ich hatte vorsorglich unsere lange Unterwäsche mitgenommen und die kam nun für die Nacht zum Einsatz. Das war wirklich eine gute Entscheidung. Der Wind wehte uns noch sehr lange um die Ohren, für uns im Zelt nichts Neues. Unsere Zeltnachbarn fanden es wirklich anstrengend. Wir kämpften eher etwas mit der Größe der uns zur Verfügung gestellten Unterkunft, keine 2×2 Meter, da war Faltung angesagt. Beim Abendessen hatten die Männer unserem „Tourguide“ noch eine frühere Abfahrtszeit abgekämpft. So schliefen wir nun ein mit dem Gedanken an Sonnenaufgang und Abfahrt. Warten wir ab, was daraus wird…
