Heute ist unser letzter Tag auf der Dahabeya angebrochen. Damit wir nicht aus dem Takt kommen, klingelt auch hier der Wecker wieder 6 Uhr. Seit der Nacht liegen wir in Esna. Hier waren wir vor 16 Jahren auch schon mal, um uns den Säulensaal anzuschauen. Das war schon beeindruckend, aber jetzt soll das noch viel schöner sein, denn die Universität Tübingen restauriert dort seit einigen Jahren. Dieser Reisebaustein war nur bei einem Paar im Programm, wir fragten schon am Anfang explizit danach. Am Ende sind ziemlich viele mitgegangen, bereut hat es wohl niemand.
Wir laufen die 10 Minuten durch die Stadt und steigen dann zum Tempel hinab, 9 Meter nach unten, soviel Schlamm hat der Nil in den letzten 2000 Jahren bis zur Vollendung des großen Assuan-Dammes aufgetragen. Was wir jetzt hier erblicken dürfen, ist eine der schönsten Sachen, die ich in Ägypten bisher sehen durfte. Überall kann man jetzt die ursprünglichen Farben sehen, das ist so wunderschön. Jetzt habe ich zumindest eine Ahnung davon, wie auch die anderen Tempel zu ihren Blütezeiten aussahen. Leider drängt uns das „Yalla, yalla“ von Ismael bald schon wieder zum Aufbruch, aber nicht ohne vorher noch Kaiser Trajan zu suchen, der seine Schlachterfolge vor dem widderköpfigen Gott Khnum präsentiert.
Dann müssen wir schnell zum Schiff, heute liegt (mal wieder) noch einiges an Programm vor uns. Nach dem Ablegen schleusen wir wieder, während wir frühstücken. Dann legen wir schon wieder an. Diesmal ist es eine Insel mitten im Nil. Wir machen hier ein obligatorisches Gruppenfoto und laufen ein wenig über die Felder. Hier gibt’s zum einen Kühe, vor denen wir uns in Acht nehmen müssen und zum anderen Zucchini. Die Insel scheint sehr fruchtbar.
Zurück auf dem Schiff machen wir dann ein Foto mit unserer Crew und danach erfolgt die Trinkgeldübergabe. Was halt alles so zu einer Gruppenreise gehört 😉. Sofort macht sich die Mannschaft an die hoffentlich gerechte Verteilung.
Kurze Zeit später haben wir dann unser Ziel, welches ja auch der Ausgangspunkt war, erreicht. Hier startet nun der letzte, nochmals sehr anstrengende Ausflug. Die Tempelanlagen von Karnak und Luxor warten noch auf uns. Die erste besuchen wir im Sonnenlicht bei erträglichen Temperaturen. Schon bei unserer letzten Reise waren wir unheimlich vom Säulensaal beeindruckt. Die Säulen sind 20-24 Meter hoch und sehr schön.
Trotz der spärlichen Zeit, die uns überall allein bleibt, versuchen wir ein Foto nochmal nachzustellen, was es schon in unserer Sammlung gibt. Dann drängt schon die Zeit, wir müssen zu den Obelisken und uns außerdem noch viele Kartuschen, Reliefe etc.pp. anschauen. Jens wird langsam ein bisschen unleidlich, ich glaube, der Punkt ist nahe, an dem er Fremdbestimmung nicht mehr erträgt.
Vorher 😉 fahren wir aber zum Luxor-Tempel. Hier erleben wir (nicht zum ersten und leider auch nicht nicht zum letzten Mal) ein komplett ineffizientes System um Menschen zu kanalisieren. Zum Glück wurde keiner von uns zerquetscht oder am Ende von anderen leicht genervten Touristen geschlagen 😂.
Dieser Tempel wird in der Dunkelheit mit Beleuchtung besichtigt. Vorher muss aber die Sonne untergehen und Ismail darf endlich etwas essen, auch wenn es nur 4 Datteln sind – und endlich trinken. Die Besichtigung ist vor allem für mich eine Meisterleistung, da ich zwischen all den Menschenmassen Jens im Auge behalten muss. Der ist auf dem Höhepunkt der Meuterei angekommen und hat keinen Bock mehr, Reliefs erklärt zu bekommen. Er will Atmosphäre aufsaugen und aufs Foto bannen. Naja, ich habe ihn nicht verloren, immerhin.
Zurück auf dem Schiff packen wir unsere Koffer und gehen zum letzten Abendessen. Dieses wird gewohnt lustig. Jens hat eine Woche lang, oft auch zusammen mit Stephan, die anderen mit seinen Sprüchen erheitert oder auch mit Stories hinters Licht geführt. Wusstet ihr, dass es am 1. Katarakt noch die seltenen Nilwale, die einzigen noch lebenden Süßwasserwale gibt? Das führte dazu, dass einer unserer Mitreisenden heute fragte: „Ist der immer so?“ Was soll ich darauf antworten?
Da er auch auf fast jede aufkommende Frage aus fast jedem Gebiet eine Antwort hatte 🙈, stand für manch einen die Reise unter dem Motto „Frag Jens“ 😂. Alessandra sprach sogar von Jenspedia🤣. Wer ihn kennt, weiß, was damit gemeint ist…
Am Abend nahmen wir dann peu a peu Abschied von unseren Mitreisenden. Wir hatten großes Glück, so eine harmonische Gruppe erwischt zu haben. Das ist keine Selbstverständlichkeit bei 16 Menschen. Sicher werden wir mit der einen oder dem anderen in Kontakt bleiben.
