Eigentlich ist der lange Tag, der gegen halb 4 am Morgen in Prag begann, für uns vorbei. Als die letzte Prozession aus dem alten Dorf kommend die Puente Nuevo überquert hatte, ließen wir sie ziehen und zogen uns in unser Haus zurück. Die Paukenschläge vernahmen wir als Herzschlag des Dorfes nur noch in der Ferne.
Wir beschäftigten uns mit dem, was man gemeinhin im Urlaub so macht, bei uns sind das vor allem Pflichten, ihr wollt schließlich etwas zu lesen haben. Noch bevor uns Morpheus entführt haben würde, wurden die Paukenschläge wieder lauter. Die Prozessionen traten ihren Rückweg an, jede Bruderschaft in ihre Kirche. Einer dieser Wege führte fast durch unser Patio, naja nicht ganz, aber direkt am Hauseingang vorbei. So rafften wir uns noch einmal auf, auf Schuhe verzichteten wir teils und bestaunten noch ein bisschen die körperlichen Leistungen der Tragenden. Früher, die katholische Kirche hatte die Idee für diese vorösterlichen Prozessionen nach der Reconquista und wollte damit der Bevölkerung Ostern näher bringen, war das mit Sicherheit eine reine Männersache. Heute erkennen wir unter den Büßerhauben auch viele Frauengesichter.
Uns beide beeindruckt das immer wieder, wir erlebten das schon im letzten Jahrtausend zum ersten Mal. Damals waren wir zu Ostern im Zelt unterwegs und mussten irgendwann die Orte immer verlassen, um zu unserem Zelt zu gelangen. Heute schließen wir mitten im Ort einfach eine Tür auf und bleiben hier, mitten im Geschehen. Für irgendetwas muss sich unser Pensum zwischen den Reisen ja auch lohnen…
