Der Schoner nach São Vicente lag schon zwei Tage in der Bucht von Furna auf Brava, der kleinen Nachbarin der Vulkaninsel. Endlich fand sie den Mut, um mit ihm zu sprechen. Er saß auf der Mole und stopfte seine Habseligkeiten in einen Seesack, als könne er damit die Entscheidung schneller festzurren.
Sie war mit ihrem Onkel von Fogo herübergekommen, um Wein gegen Mais zu tauschen. Er war von hier, ein Sohn Bravas, wo die Felder nach jeder Dürre weniger hergaben. In Mindelo auf São Vicente, so hieß es, suchten die englischen Kohlekompanien Männer, die Tag und Nacht die Dampfer im Hafen beluden, für Lohn in barer Münze. Die portugiesischen Beamten zählten die Abgänge und zuckten die Schultern. Wer hungerte, durfte gehen.
„Drei Jahre“, sagte João. „Vielleicht vier. Dann komme ich zurück, mit genug Geld für Land auf Fogo. Ich will sehen, wo dein Wein wächst.“ „In der Asche“, sagte Maria. „Im Krater. Da wird er wachsen, weil dort sonst nichts wächst.“ Er lachte, und sie merkte sich dieses Lachen, als wüsste sie schon, dass sie es lange brauchen würde. Bevor das Schiff am nächsten Morgen ablegte, versprachen sie sich zu schreiben. Maria konnte kaum lesen. João schrieb langsam, in großen, schiefen Buchstaben. Es war, dachten sie, genug.
Ana ist zwanzig, studiert in Lissabon Jüngere Geschichte und hat die Kapverden bis zu diesem Sommer nur aus den Erzählungen ihrer Großmutter gekannt. Nach deren Tod hat sie beschlossen, die Semesterferien auf den Inseln zu verbringen, bei einer Großtante in Mindelo, um herauszufinden, woher ihre Familie eigentlich kommt. Den Brief findet sie in der zweiten Woche, in einem Schuhkarton unter dem Bett, zwischen alten Taufscheinen und einem Foto von einem Mann mit Schnauzbart vor den Kohlenschuppen am Porto Grande. Das Papier ist so dünn, dass es beim Auseinanderfalten knistert. Der Umschlag ist nie geöffnet worden. Adressiert ist er an „Maria, Chã das Caldeiras, Ilha do Fogo“, in großen, schiefen Buchstaben. Darunter ein Stempel: „Devolvido – destinatária desconhecida“, „Zurückgesendet – Empfänger unbekannt“, und ein Datum aus dem Jahr 1891.
Sie sitzt lange auf dem Boden, während von der Straße die Musik aus den Bars heraufschallt und auf ihrem Handy die Nachrichten der Familiengruppe hereinplingen. Ihre Mutter fragt, ob sie genug esse, ihr Bruder schickt ein Foto vom Regen in Lissabon. Sie fotografiert den Umschlag und schickt ihn in die Gruppe. „Wisst ihr, was das ist?“ Ihre Tante antwortet mit drei Fragezeichen, ihr Cousin mit einem Herz. Dann schreibt niemand mehr.
Ana öffnet den Brief nicht. Es kommt ihr vor wie ein Übergriff, einen Brief zu öffnen, der einhundertfünfunddreißig Jahre lang auf seine Empfängerin gewartet hat. Ihre Großtante sieht ihr über die Schulter, liest den Namen auf dem Umschlag und sagt nur: „Fogo. Da wollte der alte João immer hin. Und dann ist er hier hängen geblieben.“ Am nächsten Morgen kauft Ana von ihrem knappen Ferienbudget ein Ticket nach São Filipe. Mit den fliegenden Inseltaxis will sie vom Flughafen bei Mindelo, der seit einiger Zeit den Namen der größten Tochter der Insel trägt, Cesária Évoria, über den Aeroporto Internacional da Praia – Nelson Mandela, ein noch viel größere Name in ganz Afrika – weiter auf die Vulkaninsel. Ana landet zusammen mit zwei für das Flugzeug viel zu groß geratenen Deutschen auf dem Aerodrome São Filipe. Die Sonne geht bald unter. Ana nimmt ein Taxi bis ins nächste Hostel im Ort, die beiden Deutschen werden am Flughafen empfangen und bekommen ihren bestellten Mietwagen bis vor die Tür am Terminal gebracht. Vielleicht, so denkt sie sich, werde ich später, wenn ich einen guten Job habe, auch so unterwegs sein können, einfach in das erstbeste Auto steigen, was mir gebracht wird, ohne jede Euromünze oder jeden Escudoschein zweimal umdrehen zu müssen. Ihr Anflug von Neid verschwindet schnell, als sie darüber nachdenkt, dass die beiden auch einmal jünger waren, dass sie bestimmt auch kein Geld hatten, dass sie vielleicht nicht einmal reisen konnten. Alt genug scheinen sie zu sein, als das sie hinter der Mauer geboren sein könnten, in einer Zeit, die heute unvorstellbar scheint, eine Zeit, über die sie studiert, die Zeit des Kalten Krieges, als ihr Heimatland noch eine Militärdiktatur war, als die afrikanischen Kolonien nach Unabhängigkeit strebten, als im Norden Santiagos noch ein Lager betrieben wurde, in dem Männer für Tage in einen Betonkasten eingesperrt wurden – ein Mann sogar für 70 Tage, wie sie in einer Vorlesung gehört hatte. An einem Lagerhaus in der Bucht von Tarrafal soll es ein Mural geben, welches seine Geschichte erzählt.
Von São Filipe hinauf zum Krater fährt am Vormittag ein einziges Aluguer, ein weißer Toyota-Pick-up mit zwei Holzbänken auf der Ladefläche und einer Plane darüber. Ana sitzt hinten, eingeklemmt zwischen einem Sack Zwiebeln, zwei Mädchen, einem Jungen, zwei Arbeitern im Blaumann, einer Frau mit zwei Hühnern in einem Karton und einem jungen Paar aus Frankreich mit Wanderstöcken. Der Fahrer lässt Funaná laufen, so laut, dass die Lautsprecher scheppern. Na wenigstens kein Morna, denkt Ana, was ihre Großmutter immer hörte, noch trauriger als der Fado in Lissabon, und das will etwas heißen. Jeder und jede hat ein Smartphone in der Hand, wirklich alle. Die Frau mit den Hühnern schickt Sprachnachrichten, die länger dauern als die Kurven, und hält das Telefon dabei flach vor den Mund wie ein Stück Brot. Der Junge in seinem FC-Barcelona-Trikot schaut Videos, in denen Leute auf Rollschuhen hinfallen, und lacht bei jedem einzelnen, unterbrochen werden die blöden Videos nur durch noch blödere Katzenvideos. Die Männer im Arbeitsanzug scrollen durch Fotos von Autos, die sie sich nie werden leisten können. Die zwei Mädchen machten ein Selfie nach dem anderen, mit Hundeohren, mit Glitzer, mit der Plane des Aluguers als Hintergrund, und löschen jedes sofort wieder. Irgendwo spielt ein Handy die Melodie eines Spiels, in dem bunte Bonbons explodieren. Das französische Wanderpaar filmt die Landschaft, die Mädchen filmen heimlich die Franzosen, der Junge im Barcelona-Trikot filmt die Mädchen, die die Franzosen filmen. Ana sieht sich das eine Weile an und denkt, dass es in Lissabon genauso ist, in der Metro zum Flughafen, und in Mindelo, und vermutlich auch dort, wo die beiden mit den Wanderstöcken herkommen: derselbe Unsinn, dieselben Hundeohren, dieselben explodierenden Bonbons, überall auf der Welt, auf einer Ladefläche zwischen Zwiebeln und Hühnern.
Hinter dem Pick-up fährt ein Kleinwagen, schleicht sich genauso den Berg hinauf, wie das Aluguer. Ana erkennt die beiden Deutschen aus dem Flugzeug. Schon gestern musste sie schmunzeln, wie die beiden, schon viel zu groß für das Flugzeug, der Mann immer mit eingezogenem Kopf in der Kabine, in ein noch viel kleineres Auto stiegen, nein, nicht stiegen, eher falteten, das Gepäck teilweise auf der Rückbank verstauend. Dabei hätten sie sich bestimmt auch ein größeres Auto leisten können, vielleicht sogar ein Pick-up wie das Aluguer, ganz für sie allein, ohne Hühner und ohne einen Sack Zwiebeln. Aber etwas ist anders bei den Beiden: Keine Handys mit Katzenvideos, sie schauen einfach nur in die wolkenverhangene Landschaft und auf zu ihr, auf die Ladefläche des Pick-ups und scheinen zu staunen über jeden Einzelnen neben ihr, die Arbeiter im Blaumann, die von Autos träumen, den Jungen im Fussballtrikot, der die ganze Zeit Videos schaut und bestimmt auch über sie, die gerade ein Foto in ihre Familiengruppe postet.

Dann biegen beide Fahrzeuge über den Rand der Bordeira, und vor ihnen liegt die Caldeira, schwarz und weit, mit dem Vulkan in der Mitte, so groß, dass er den halben Himmel ausfüllt, bis zu den Wolken, die seine Spitze verstecken. Einen Moment lang hebt niemand den Blick vom Bildschirm, dann verschwinded das Netz. Erst ein Balken, dann kein Balken. Die Sprachnachricht der Frau bricht bricht mitten im Satz ab, die Rollschuhvideos frieren ein. Und plötzlich sehen alle hinaus, auch die Mädchen, auch der Junge, die Wanderer sowieso, als hätte jemand das Licht im Kino angeschaltet. Die Frau mit den Hühnern sagt zu niemand Bestimmtem: „Odja, vulkon!“ Schau, der Vulkan! Als ob er nicht seit Tausenden von Jahren hier stünde. Und jetzt ist keiner mehr allein, nicht die Deutschen im viel zu kleinen Wagen hinter dem Pick-up, nicht die Menschen auf der Ladefläche. Es ist nicht der Vulkan, der verbindet, es ist die fehlende Verbindung mit der Welt, die es tut.
Im Krater gibt es Netz nur an einer Stelle: auf einem kleinen Lavabuckel hinter den neuen Funcos, den Touristenunterkünften, wo ein Stein so flach ist, dass man darauf sitzen kann. Die Leute nennen ihn „Pedra di WhatsApp“. Dort steht Ana am späten Nachmittag, das Handy in die Höhe gestreckt, als könne sie das Signal damit einfangen. Die Deutschen stehen auch hier, schauen auf den Berg und die Frau nimmt jetzt zum ersten Mal ihr Handy um ein Videos zu machen, er fotografiert den Gipfel im letzten Sonnenlicht auf der Bergflanke und den Schatten, welche die Bordeira auf den Kegel wirft. Hinter ihr sagt jemand: „Weiter links. Und nicht so hoch. Der Berg mag keine Ungeduld.“
Er heißt Nilton, ist Winzer in der Kooperative und hat Vulkanasche an den Händen, die schwarz ist wie Kaffeesatz. Er hatte die Lava 2014 durch das Haus seiner Eltern fließen sehen und war trotzdem zurückgekommen.

Als sie ihm den Umschlag zeigt, nimmt er ihn vorsichtig, liest den Namen und sieht lange auf die Buchstaben. „Maria“, sagt er schließlich. „Es gab viele Marias hier, aber nach einer ist ein Wein hier benannt, sie hat die Weinreben mitgebracht, das erzählt man jedenfalls.“ Er zeigt ihr die Weinberge, die Mulden in der Asche, die kleinen Mauern gegen den Wind. Sie zeigt ihm Fotos von ihrer Großtante, vom Karneval in Mindelo, von Masken und Trommeln und einer ganzen Stadt in Federn, und er behauptet, so etwas gebe es nur auf São Vicente, weil die Leute dort nichts zu tun hätten.
Sie essen Cachupa bei seiner Tante, die Ana dreimal fragt, warum sie nicht verheiratet sei. Abends sitzen sie auf dem Stein mit dem Netz, und sie merkt, dass sie das Handy nur noch selten hochhält.
Dann öffnen sie den Brief zusammen, am Küchentisch von Niltons Tante, im Licht einer einzelnen Glühbirne, die das Licht des Tages gespeichert hat. Nilton liest vor, weil Ana das alte Kriol mit portugiesischer Rechtschreibung nicht versteht. João schrieb, dass es heiß sei in Mindelo, dass der Wind von der Wüste komme und der Kohlenstaub sich in jede Falte der Haut setze, so dass man abends schwarz sei wie die Lava auf Fogo. Dass er einen Freund verloren habe, als ein überladener Kahn in der tiefen Bucht kenterte und den Freund mit nach unten riss; dass er Geld spare, jeden Réis; dass er ihr zwei Briefe geschickt und nie eine Antwort bekommen habe, und dass er nicht wisse, ob sie die Briefe nicht erhalten habe oder ob sie nicht mehr warten wolle. „Wenn du nicht mehr wartest“, schrieb er, „dann verstehe ich es. Aber wenn du wartest, dann schreib mir nur ein Wort. Ein Wort reicht. Dann komme ich.“
Nilton legt den Brief auf den Tisch. Seine Tante, die die ganze Zeit am Herd gestanden hatte, sagt leise, ohne sich umzudrehen: „Sie hat einen Franzosen geheiratet, der mit ihr den Wein kultivierte. Spät hätte sie geheiratet, als vierte Frau des Franzosen. Man hat immer gesagt, sie hätte auf einen gewartet, der nie geschrieben hat.“ Niemand sagt etwas. Draußen, über dem Kraterrand, steht der Pico schwarz gegen die Sterne.
Ana denkt an die Postsäcke, die zwischen den Inseln von Schiff zu Schiff gereicht wurden und irgendwo liegen blieben, an Beamte in Praia, die keine Namen in der Chã kannten, an ein Kolonialreich, das seine Menschen von Insel zu Insel trieb, aber ihre Briefe verlor. Kaum dreihundert Kilometer zwischen Mindelo und Fogo, und doch hatte dieses eine Wort nie den Weg gefunden. Und sie dachte an das Handy in ihrer Tasche, das jede Nachricht in Sekunden über dasselbe Meer trägt, und weiter bis zu jedem Ort auf diesem Planeten.
Am übernächsten Tag fliegt sie in der Früh zurück nach Mindelo, das Flugzeug wird in Praia zwischenlanden. Am CheckIn vor ihr stehen die beiden Deutschen. Der Mann behängt sich mit seiner Fotoausrüstung, stopft in jede Hosentasche schwere Akkus. Im Handgepäck sind nur 6 Kilogramm erlaubt, die beiden reißen diese Marke knapp, die Frau am Schalter ist gnädig. Sie sagt, sie erkenne den guten Willen. Für Ana reichen die 6 Kilogramm, für sie ist es alles Gepäck der Reise. An der Sicherheitskontrolle staunt Ana, als ein Computer nach dem anderen die Rucksäcke der Deutschen verlässt. Wofür brauchen zwei Menschen so viele Computer? Ihre Handys sieht sie nicht.
Zurück in Mindelo würden Ana noch drei Tage bleiben, dann wären die Ferien vorbei. Die Deutschen verlassen das Flugzeug in Praia, die meisten bleiben sitzen für den Weiterflug. Ana steigt kurz entschlossen aus, ihre Großtante wird warten müssen, dieses Land hat sie nun gefesselt, eine weitere Geschichte wartet auf sie. Es ist keine Geschichte ihrer Familie, es ist eine Geschichte des Landes, welches die Unabhängigkeit erreichte, als ihre Großmutter längst weg war. Für die Deutschen wartet wieder ein Schild mit ihrem Namen am Ausgang. Ana steigt in ein Aluguer nach Tarrafal.

Ana sitzt mit dem Rücken an das Mural gelehnt am Lagerhaus in der Bucht, den Rucksack zwischen den Knien; der alte Mann hinter ihr hat die Augen geschlossen, sieht den Vögeln nach, beachtet sie nicht. Der Hintergrund ihres Handys zeigt Reben in schwarzer Asche, im Hintergrund ein spitzer Berg mit einer Wolke am Gipfel. Nilton hatte ihr seit ihrer Abreise nicht geschrieben, sie ihm auch nicht. Schon zweimal hat sie die Nachricht angefangen und wieder gelöscht. Ana weiß, dass er auf seinem Stein sitzen müsste, um sie überhaupt zu empfangen, und vielleicht ist es das, was sie zögern lässt: dass jede Nachricht von ihm eine Entscheidung ist, ein Gang zum Lavabuckel, ein Hochhalten des Telefons gegen den Himmel. An diesem Abend denkt sie an João, der zwei Briefe geschrieben und nie eine Antwort bekommen hatte. Sie öffnet WhatsApp und tippt zwei Worte: „Wartest du?“ Ein grauer Haken, dann zwei, dann nichts. Draußen in der Bucht warten zwei Frauen am Strand auf das letzte Fischerboot, was gerade hereingeschleppt wird. Ana stellt sich vor, wie keine einhundert Kilometer entfernt, auf einer anderen Insel, im Krater, ein Mann aufsteht, seine schwarzen Hände an der Hose abwischt und hinter die Funcos geht. Die Haken werden blau. Dann, nach einer Ewigkeit, die vielleicht dreißig, vielleicht fünfzig, vielleicht auch einhundertfünfundreißig Sekunden dauert, erscheint ein Wort in der Timeline:
Komm!
Wir sind auf dem Rückweg. Wieder ging unser Flug pünktlich. Wer hier südländische Gelassenheit erwartet, wird von den Menschen belohnt, Pünktlichkeit ist hier aber selbstverständlich. Die einzige Unpünktlichkeit erlebten wir bei unserer ersten Landung auf São Vicente. Vor knapp zwei Wochen hielten wir es noch für vielleicht das Normal hier, heute denken wir, es muss ein Unfall gewesen sein.
Absurde Geschichten kann man hier viele hören und lesen. Noch nie hatten wir vom Comte François Louis Armand Fourcheut de Montrond gehört. Jetzt kennen wir seine Legende, zumindest aus französischer Sicht. Ich, als emanzipierter Mann, wollte auch die Geschichten seiner Frauen lesen, die Aufzeichnungen schweigen jedoch dazu. Also habe ich Maria erfunden, und einen Nachrichtenvergleich gestern und heute. Für den Vergleich brauchte ich neben alten Postsäcken auch WhatsApp und eine junge Portugiesin mit kapverdischen Wurzeln, die etwas mit jüngerer Geschichte anfangen kann. Damit konnte ich den Bogen zurück nach Tarrafal schlagen, in die Bucht mit dem Lagerhaus und dem alten Mann, der mit geschlossenen Augen den Vögeln nachschaut, zu Nhô Djack und Kiki, die gerade mit Zés Boot im Schlepp vom Meer zurück an den Strand kommen, jenen Strand, wo am Abend nur noch die immer zeternde Fischhändlerin Tia Nena wartet und Zés Frau. Dass es so kitschig wurde, dafür entschuldige ich mich nicht.
Ein Zufall war, das wir Ana trafen. Wenn wir auf Fogo jemandem begegneten, dann immer wieder, denn der Ankunftsort ist für alle der gleiche, ebenso das Ziel, die Insel ist klein.
Die Bilder wurden aus den Textpassagen generiert, Evas Modell ist inzwischen wirklich gut darin. Normalerweise erstellt es Unterrichtsmaterialien. Es könnte also sein, dass es demnächst außerordentlich gut über die Kapverden gebildete Kinder gibt, die dann bestimmt an anderer Stelle ihre Defizite haben.🤨
Auf eigentlich all unseren Reisen bin ich fasziniert und geschockt zugleich von Smartphones und allem, was sie möglich machen. Ich meine das nicht im technischen Sinn, da muss man mir nichts erzählen, ich verdiene meinen Unterhalt durch und mit Informatik und fülle die Hälfte unserer Reisekasse damit. Ich staune eher über alle nicht technischen Aspekte der Geräte. Was kein Computer an einem Schreibtisch je schaffte, kein Zugang zum Word Wide Web mit einem Kabel erreichte, das schaffte das Handy; mit allen Nachteilen, die hier genauso dazugehören wie bei uns, wie blöde Videos von stürzenden Rollschuhfahrern, noch blöderen Katzenvideos und viel gefährlicheren Dingen.
Aber es ist ein Fenster in die Welt, das gerade hier verbindet, mit den Geschwistern, Kindern oder Eltern, verstreut über alle Inseln des Archipels. Das ist ein Effekt, den wir zu Hause nicht mehr sehen oder sehen wollen. Wir sehen nur jene, die mit dem Mut der Verzweiflung durch das Fenster springen, um zu uns zu kommen, obwohl wir sie nicht einluden und wir sehen die Auswirkungen gerade auf junge, auf sehr junge Menschen. Deshalb fahren wir hin, vielleicht hilft es etwas, den Fenstersturz nicht zu wagen, sondern das Fenster nur zu öffnen und hinaus zu blicken. Die Kosten für das Glas übernehmen wir.
