Früher waren wir wie Ana unterwegs. Wir wären gestern aus Fogo gekommen, hätten irgendwie den Tag in Praia herumbekommen, notfalls auf dem Flughafen und wären dann kurz nach Mitternacht Richtung Lissabon geflogen. Heute machen wir das nicht mehr. Wir haben uns in Praia noch ein Hotel für zwei Tage organisieren lassen, testeten in einer Nacht die Matratzen und werden heute Nacht wieder abgeholt und zum Flughafen gebracht. Ana würde vermutlich den Kopf schütteln. Wir tragen dadurch noch zum Tagesunterhalt des einen oder anderen Taxifahrers, Zimmermädchens oder Kellners bei.

Gestern nach Ankunft am Vormittag war es so warm und schwül in Praia, dass wir außer wegfließen nicht viele Ideen hatten, was wir mit uns anfangen könnten. So bloggten wir vor uns hin, ohne die Texte zu veröffentlichen, die kommen dann als letztes, Eva bereitet schon ihre nächsten Kurse vor. Ich schrieb es gestern schon, dass es sein könnte, dass kapverdische Geschichte und Geografie ein Thema wird…😉

Heute morgen suchten wir uns vor dem Hotel ein Taxi und ließen uns auf den Afrikanischen Markt in der Stadt bringen. Den Preis machten wir vorher aus. Zum Service gehörte ein kleines Guiding bei der Fahrt. Angekommen rundeten wir den Betrag von 300 auf 400 Escudos auf. Der Fahrer war sehr zufrieden mit uns, so zufrieden, dass er uns später aus seinem Taxi grüßte, als wir anderenorts unterwegs waren. Die Sache mit dem Trinkgeld ist hier etwas anderes als vor einem halben Jahr in Ägypten. Hier gehört Backschisch nicht zum Grunderwerb, hier ist es nicht festeinkalkulierte Komponente des Einkommens. Hier wird Trinkgeld nicht erwartet, aber umso mehr goutiert.

Der Afrikanische Markt wird in Reiseführern beschrieben und gelobt. Unser Urteil findet sich in der Überschrift, interessant war es trotzdem. Eva meinte, sie würde sich in einem arabischen Souk wohler fühlen, erklären konnte sie es nicht. Es ist für eine Frau immer etwas anderes als für einen Mann, aber gerade hier wurden wir eher ignoriert und nicht ständig angesprochen. Nur ein einziges Mal sollten Evas Haare zu einer dieser typischen afrikanischen Kunstwerke werden. Hinsichtlich Länge und Locken kann Eva da sicherlich gut mithalten, ich hätte nur Befürchtungen um den Rückflug heute Nacht, aber ich kenne ja meine Frau und war mir sicher, dass diese Offerte nicht einmal nur kurz eine Beachtung fand. Kein einziges Angebot wurde an mich herangetragen, Ehefrau gegen Kamele oder was auch immer zu tauschen, Eva fehlte vielleicht gerade dies, so dass der Markt nur sanft hauchte und nicht laut rief.

Das war unser letztes Sightseeing auf den Inseln des Grünen Kaps. So langsam bereiten wir uns auf den Heimflug vor. Die Koffer sind ein letztes Mal gepackt, eingecheckt haben wir längst. Ein letzter Wein aus der Chã wird noch getrunken werden, ein letztes Thunfischsteak gegessen, oder ein anderer der vielen Fische vom Grill. Ich, der bspw. in Frankreich in jedem Supermarkt am Fischstand verzweifelt, weil er selbiges nie zu Hause zu sehen bekommt, staunte hier jeden Tag über das Angebot aus dem Meer und sah täglich, wie die Fische gefangen werden. Ich sah nirgends große Fangschiffe, keine Netze, sondern nur einfache Angeln und Handleinen. Handleinen, die Nhô und Kiki durch die Hände schneiden, wenn ein großer Thun auf den Köder beißt.

Jens

Er fotografiert und manchmal schreibt er auch.

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