Paris, im Spätsommer 1852
In seiner Wohnung an der Rue de l’Université sitzt Philip Barker Webb zwischen Papierstapeln, die höher sind als er selbst. Es sind Herbarbögen, zehntausende davon, gepresste Pflanzen aus halb Europa, aus Spanien, aus Marokko und vor allem von den Kanarischen Inseln. Der Engländer ist fast sechzig Jahre alt, sein Bart grau, seine Knie schlecht. Aber an diesem Abend hält er einen Brief in der Hand, der ihn wieder jung macht.
Ein Freund aus London schreibt ihm, dass die neue African Steamship Company einen regelmäßigen Liniendienst eingerichtet habe. Dampfschiffe, die von Plymouth aus Madeira und Teneriffa anlaufen und weiter nach Westafrika fahren. »Sie brauchen keinen günstigen Wind mehr, mein lieber Webb«, steht da. »Sie brauchen nur Kohle und Geduld.«
Webb legt den Brief auf den Tisch und sieht aus dem Fenster in den grauen Pariser Regen. Seit Jahren arbeitet er gemeinsam mit seinem Freund Sabin Berthelot an der „Histoire naturelle des Îles Canaries“, einem Werk, das kein Ende nehmen will. Und seit Jahren quält ihn ein Gedanke, den er noch nie ganz ausgesprochen hatte: Die Kanaren sind nicht allein. Madeira, die Azoren und die fernen Kapverden sind mit ihnen verwandt, wie Geschwister, die in verschiedene Länder ausgewandert sind und doch dieselben Augen haben. Er will sie noch einmal sehen, alle, hintereinander, in einer einzigen Reise, solange seine Beine es erlauben.
Funchal, Madeira, im Herbst 1852
Die Überfahrt von Plymouth dauert acht Tage. Webb verbringt die meisten davon an Deck, eingewickelt in eine Wolldecke, und lauscht dem gleichmäßigen Stampfen der Maschine. Das Schiff riecht nach Kohlenrauch und Teer. Wenn der Wind dreht, legte sich Ruß auf seine Notizbücher, und er wischt ihn mit dem Ärmel fort.
Als Madeira aus dem Morgendunst auftaucht, steht er im Bug. Die Insel steigt schnell aus dem Meer, grün bis unter die Wolken, Funchal klebt wie ein weißer Saum an ihrem Fuß. Er lässt sich gleich am zweiten Tag mit einem Ochsenschlitten und dann zu Fuß ins Innere bringen, hinauf zu den Levadas, den Wasserkanälen, die sich an den Hängen entlangziehen und das Wasser von Norden der Insel nach Süden bringen.
Dort oben auf dem Fanal findet er, was er gesucht hat: den Lorbeerwald. Die Bäume stehen dicht, ihre Stämme mit Moosen und Farnen überzogen, und der Nebel tropft von den Blättern, als regne es von innen. Er erkennt den Til, Ocotea foetens, an seinem unangenehmen Geruch, wenn man die Rinde verletzt. Daneben den Vinhático, Persea indica, und den Madeira-Lorbeer. Am Wegrand leuchten die blauen Kerzen des Natternkopfs Echium candicans, und einmal, in einer feuchten Schlucht, stößt er auf einen riesigen Storchschnabel mit purpurnen Blüten, der größer ist als jede Geranie, die er aus England kennt.
»Ein Wald aus einer anderen Zeit«, schreibt er am Abend in sein Notizbuch. »So mag Europa ausgesehen haben, bevor das Eis kam. Hier hat er überlebt, weil das Meer ihn wärmt und die Wolken ihn tränken.« Er presst seine Funde zwischen grobes Papier und denkt an Teneriffa, an die Wälder von Anaga, die er vor über zwanzig Jahren durchstreift hatte. Dieselbe Familie, denkt er, nicht die gleichen Gesichter, aber dieselben Augen.
Santa Cruz de Tenerife, Winter 1852
Nach drei Tagen auf See erreicht das Dampfschiff Santa Cruz de Tenerife. Webb hatte die Insel 1828 zum ersten Mal betreten, damals noch auf einem Segelschiff, das wochenlang auf den Passat gewartet hatte. Nun war er schneller hier als je zuvor, und doch kommt es ihm vor, als käme er nach Hause.
In Orotava steht noch immer der alte Drachenbaum, Dracaena draco, dessen Alter die Einheimischen auf Jahrtausende schätzten. Webb legt die Hand an die rissige Rinde. Hier hat er mit Berthelot gestanden, zwei junge Männer voller Pläne. Hier hatten sie beschlossen, jede Pflanze dieser Inseln zu beschreiben. Er lacht leise über so viel Übermut.
Dann steigt er hinauf, durch die Zonen der Insel, die er so gut kennt wie die Zimmer seines Hauses. Unten an der Küste die dornige, kakteenartige Euphorbia canariensis und die Tabaiba-Sträucher, die mit Trockenheit leben konnten. Darüber, in der Nebelzone, der Lorbeerwald, verwandt mit jenem aus Madeira, aber reicher, vielfältiger. Noch weiter oben die Kanarische Kiefer, Pinus canariensis, die nach Waldbränden aus verkohlten Stämmen neu austreibt. Und schließlich, in der kargen Höhe der Cañadas unter dem Teide, der Tajinaste mit seinen meterhohen roten Blütentürmen.
Bevor er die Kanaren verlässt, will Webb noch an ihren äußersten Rand. Kein Dampfer fährt nach El Hierro, der kleinsten und westlichsten Insel, dorthin, wo seit 1634 der Nullmeridian liegt. In El Hierro wird die Erde getrennt, in den westlichen und den östlichen Teil. Die Botanik trennt dort die Welt nicht, dessen ist er sich sicher. Also mietet er in Santa Cruz einen Platz auf einem Küstensegler, der Mehl und Wein hinüberbringt. Zwei Tage kreuzt das Boot gegen den Wind und Webb denkt, dass er auf dieser kurzen Strecke langsamer vorankommt als auf der ganzen Fahrt von England bis Madeira.
Von Valverde aus reitet er auf einem Maultier quer über die Hochfläche nach Westen, durch die Weiden von La Dehesa, bis der Boden zum Meer hin abfällt. Dort steht El Sabinar. Er hatte von ihm gehört, aber nichts hatte ihn darauf vorbereitet: Hunderte alter Wacholder, Juniperus turbinata in ihrer kanarischen Form, die von den Einheimischen Sabinas genannt werden. Der Wind hat sie über Jahrhunderte niedergedrückt, bis ihre Stämme fast waagerecht über dem Boden liegen und ihre Kronen wie erstarrte Fahnen nach Südwesten zeigten. Manche sind so verdreht, dass sie aussehen, als würden sie sich unter einer unsichtbaren Last vor dem Meer verbeugen.

Webb geht zwischen ihnen umher wie in einer Versammlung alter Männer. Er schneidet einen kleinen Zweig ab, riecht an dem harzigen Holz und schreibt: »Hier zeigt der Wind, was er aus einem Baum machen kann. Kein Gärtner der Welt hätte das gewagt.« Dann notiert er noch etwas, unterstrichen: »Ein Wacholder am Rand des Atlantiks. Ich möchte wissen, ob ich seine Verwandten weiter draußen wiederfinde.« »Madeira ist ein Wald«, notierte er. »Die Kanaren sind eine ganze Welt in Stockwerken. Die Natternköpfe, die auf Madeira eine Handvoll Arten bilden, haben sich hier in Dutzende Formen aufgespalten, als hätte jedes Tal seine eigene erfunden.« Zurück auf dem Schiff vergleicht er seine Bögen aus Funchal mit jenen, die er vor Jahren auf Teneriffa gesammelt hatte, und sieht die Linien klar vor sich: gemeinsame Vorfahren, getrennte Wege, jede Insel ein eigenes Experiment der Natur.
Azoren, Frühjahr 1853
Zu den Azoren gibt es keinen Linienbetrieb. Webb muss in Funchal auf einen portugiesischen Postdampfer warten, der nur unregelmäßig fährt. Die Überfahrt nach Ponta Delgada ist rau. Der Atlantik zeigt sein anderes Gesicht: grau, schwer, mit langen Dünungen aus dem Norden. Zwei Tage lang liegt Webb seekrank in seiner Koje und verflucht die moderne Zeit, die ihm zwar Kohle, aber keinen ruhigen Magen gebracht hatte.
São Miguel empfängt ihn mit Regen. Und mit Grün, einem tieferen, satteren Grün als auf Madeira. Die Kraterseen von Sete Cidades liegen blau und grün nebeneinander, und an den Hängen wachsen Hortensien, die die Siedler gebracht hatten. Doch Webb sucht die ursprüngliche Vegetation, und er findet sie in den feuchten Höhen: niedrige, windgebeugte Wälder aus Azoren-Wacholder, Juniperus brevifolia, aus der Baumheide Erica azorica und dem Azoren-Lorbeer. Webb denkt an die gebeugten Sabinas von El Hierro: Hier also war der Wacholder wieder, ein entfernter Vetter, nicht vom Wind niedergedrückt, sondern vom Regen getränkt und vom Moos umhüllt.
Er ist überrascht, wie bescheiden dieser Wald wirkt. Er ist verwandt mit dem Lorbeerwald auf dem Fanal, ohne Zweifel, aber ärmer an Arten, einfacher gebaut, wie eine Gemälde, von dem nur noch zwei Farben übrig sind – das Grün der Pflanzen und das Blau des Meeres. »Die Azoren liegen weit draußen und sind jung«, schreibt er. »Die Pflanzen, die hier ankamen, mussten den weitesten Weg über das Meer nehmen. Nur wenige haben es geschafft. Und sie hatten noch nicht die Zeit, sich in viele Formen zu verwandeln wie auf Teneriffa.«
Von São Miguel fährt er mit einem kleinen Postschiff weiter nach Terceira. In Angra, der alten Hafenstadt, lädt ihn ein wohlhabender Gutsbesitzer in seinen Garten ein, um ihm einen Schatz zu zeigen: eine Reihe junger Bäume mit schlanken, kegelförmigen Kronen und sichelförmig gebogenen Nadeln. »Sicheltannen aus Japan«, sagt der Mann stolz, Cryptomeria japonica. »Sie wachsen hier schneller als in ihrer Heimat. Eines Tages werden sie ganze Hänge bedecken und uns Holz für Häuser und Schiffe geben.« Webb streicht über die weichen Zweige und lobt die Bäume höflich. Doch in seinem Notizbuch steht am Abend ein Satz, der wenig nach Lob klingt: »Ein schöner Fremder. Ich hoffe, er lässt den Alten noch Platz.«
Dann wagt er die weiteste Fahrt der ganzen Reise: nach Flores, der westlichsten Insel, schon auf halbem Weg nach Amerika. Ein Walfänger nimmt ihn mit, ein offenes Boot mit Segel und Rudern, und Webb denkt an seine bequeme Kabine auf dem Dampfer wie an einen Palast. Schaut er über die flache Bordwand, dann sieht er Delphine springen, nicht weil sie es müssten, sondern weil sie es können. Als er nach Tagen in der Fajãzinha an Land steigt, versteht er, warum die Seeleute diese Insel Flores, die Blumen, nennen.
Ein Hirte führt ihn auf einem schmalen Pfad zum Poço da Alagoinha. Webb bleibt stehen und nimmt den Hut ab. Vor ihm steigt eine senkrechte Felswand auf, ganz in Grün gekleidet, und über sie stürzen dutzende Wasserfälle herab, schmale weiße Fäden, die in einen stillen, dunklen Teich münden. Farne hängen von jedem Vorsprung, Moose bedecken jeden Stein, und die Luft ist so voller feinem Wasserstaub, dass sein Notizbuch in den Händen weich wird. »Hier sieht man, wohin all das Wasser der Moore geht«, schreibt er mit verwischter Tinte. »Der Ozean regnet auf die Insel, die Moose trinken ihn, und die Felsen geben ihn zurück. Ich habe nie einen Ort gesehen, an dem das Meer so sehr zu einem Garten geworden ist.«
Oben im Inneren der Insel, in der Hochebene zwischen den erloschenen Vulkanen, findet er die „Alten“. Dort ist der Boden ein einziger Schwamm. Torfmoose, Sphagnum, bildeten dicke, nasse Polster in Grün und Gold, und wenn Webb darauf tritt, quillt das Wasser um seine Stiefel. Die Stämme der Baumheide und des Wacholders sind bis in die Kronen mit Laub- und Lebermoosen überzogen, und von den Ästen hängen Flechten wie graue Bärte. Er kniet nieder, die Lupe in der Hand, und vergisst für eine Stunde den Regen. »Auf Madeira sind die Moose Gäste des Waldes«, schreibt er. »Auf den Azoren sind sie seine Herren. Sie halten das Wasser fest, das der Atlantik schickt, und geben es langsam an die Bäche weiter.«
Er sitzt lange am Ufer eines Kratersees und denkt über diese Unterschiede nach. Die Wärme, die Trockenheit, das Alter einer Insel, die Entfernung zum Festland. Jede dieser Größen scheint die Flora zu formen. Zum ersten Mal sieht er die Inseln nicht als Sammlung, sondern als System.
Mindelo, São Vicente, im Frühjahr 1853
Zurück auf den Kanaren besteigt Webb wieder einen Dampfer der African Steamship Company, dieses mal in Richtung Süden, an der afrikanischen Küste entlang. Mit jedem Tag wird die Luft wärmer und trockener. Der Wind kommt nun aus der Sahara und bringt feinen roten Staub, der sich in die Falten seines Mantels setzt. Als er in Mindelo von Bord geht, glaubt er, die Verwandtschaft sei hier zu Ende. Die Hänge sind braun und steinig, Akazien und Tamarisken stehen in ausgetrockneten Flussbetten, und die Menschen sprechen vom Regen wie von einem seltenen Gast. Das ist Afrika, nicht Europa. Die Sahara hat ihre Hand bis aufs Meer hinausgestreckt.
Doch dann, in den höheren Lagen, findet er die alten Bekannten. Einen Drachenbaum, kleiner und gedrungener als der von Orotava, aber unverkennbar derselben Art verwandt. Eine Wolfsmilch, Euphorbia tuckeyana, die an die Tabaiba der Kanaren erinnert. Und als er mit einem Fischerboot nach Santo Antão übersetzt und das Gebirge überquert, steht er plötzlich vor einem Natternkopf, der zwischen schwarzen Lavabrocken blüht. Er muss sich setzen.
»Sie sind alle hier.«, flüstert er. »Bis hierher sind sie gekommen.«
In dieser Nacht, in einer einfachen Unterkunft am Ende der Welt, schreibt Webb die Sätze, die ihn überleben sollten. Er denkt an die alten Griechen, an Hesiod und Homer, die von den makárōn nēsoi erzählten, den Inseln der Glückseligen weit im Westen, jenseits der Säulen des Herakles, sie kannten weder die Azoren, noch die Kapverden. Er nimmt die Wörter und macht sie zu einem Begriff der Wissenschaft: Makaronesien.
Darunter skizziert er seinen Vergleich.
Madeira: ein uralter, feuchter Lorbeerwald, geschützt von Wolken.
Die Kanaren: die reichste Inselgruppe, eine Leiter von Vegetationszonen, eine Explosion neuer Arten.
Die Azoren: weit draußen im Atlantik, kühl und regenreich, mit einer ärmeren, einfacheren Flora.
Die Kapverden: tropisch und trocken, stark von Afrika geprägt, aber in den Höhen noch mit denselben alten Linien verbunden.
»Vier Archipele«, schreibt er, »aber eine einzige botanische Provinz. Getrennt durch das Meer, verbunden durch das Wasser.«
Epilog
Webb kehrt im Sommer nach Paris zurück, mit Kisten voller Herbarbögen und einem Notizbuch, dessen Seiten vom Salz gewellt sind. Die Reise hat Monate gedauert, sie hat ihn Kraft gekostet, Geduld, manchen Tag in der Koje und manche Woche des Wartens auf ein Schiff, das nicht kam. Und doch war sie für ihn ein Wunder der Geschwindigkeit gewesen. Was einst ein halbes Leben an Segelreisen erfordert hätte, hatte er in einer einzigen Fahrt bewältigt, getragen von Kohle und Dampf.
Heute steigen wir in Frankfurt, München, Berlin oder sogar zu Hause in Dresden in ein Flugzeug, essen in Lissabon zu Mittag und sitzen am Nachmittag auf einer Terrasse oberhalb von Funchal. Wer will, frühstückt auf Teneriffa, isst auf den Azoren zu Abend und ist zwei Tage später auf Fogo, wo der Vulkan noch immer raucht. Die Strecke, für die Webb einen Winter und ein Frühjahr brauchte, ließe sich in ein paar Tagen abfliegen. Der Ruß auf seinen Notizbüchern ist zu einem weißen Streifen am Himmel geworden, der sich nach wenigen Minuten auflöst.
Trotzdem haben wir mehr Zeit gebraucht als Webb – 25 Jahre. Es wäre leicht zu schreiben, dass wir somit mehr gesehen hätten als er, sehr wahrscheinlich ist es genau umgekehrt. Webb sah die Inseln langsam auftauchen, eine nach der anderen, aus demselben Meer. Er spürte, wie die Luft wärmer wurde, wie der Wind den Staub der Sahara brachte, wie die Wälder von Norden nach Süden ihr Gesicht veränderten. Die Entfernung war für ihn keine Zahl in Google Maps, sondern eine Erfahrung, und genau diese Erfahrung ließ ihn verstehen, was die Inseln trennte und was sie verband. Aus dem langsamen Reisen wuchs der Gedanke von Makaronesien.
Das Flugzeug schenkt uns, wovon Webb nur träumen konnte: die ganze Welt. Es nimmt uns aber auch etwas, das er im Überfluss hatte, nämlich Zeit für den Weg selbst. Und es hinterlässt eine Spur, die schwerer wiegt als der Kohlenrauch der Dampfer, gerade für die fragilen Lorbeerwälder, die er so liebte. Vielleicht ist das die stille Frage, die Webb uns heute stellen würde: nicht, wie schnell wir ankommen, sondern ob wir unterwegs noch hinsehen, sollten wir einmal den Blick von unseren Displays lösen. Denn die Inseln der Glückseligen sind nicht verschwunden. Sie warten nur darauf, dass jemand so genau hinschaut wie ein alter Engländer mit schlechten Knien, der vor einem Natternkopf in der Lava saß und flüsterte:
Sie sind alle hier.
Die Geschichte ist frei erfunden. Der historische Philip Barker Webb (1793–1854) lebte und forschte tatsächlich lange auf den Kanaren und schrieb mit Sabin Berthelot die „Histoire naturelle des Îles Canaries“. Die hier erzählte Reise über alle vier Archipele hat so nie stattgefunden, skizziert aber ein bisschen unsere Reisen durch den Ostatlantik, Webb hatten wir vorausgeschickt. Die Sicheltannen, unter denen wir auf Terceira Schatten suchten, wurden auf den Azoren erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in großem Stil gepflanzt. Deshalb sieht Webb um 1853 nur eine kleine Reihe junger Bäume. Er ahnt dabei schon, dass dieser Neuling einmal die einheimischen Wälder verdrängen könnte.
(Das ist so ein Fall, wo eine KI hilfreiche Tipps geben kann, wenn man sie die Plausibilität der Geschichte prüfen lässt. Man könnte die KI noch mehr machen lassen, dass wölltet ihr aber nicht lesen, zumindestens dann nicht, wenn das Modell auf informatikwissenschaftliche Sachverhalte ausgerichtet ist.)
Nur Wenige kennen überhaupt den Begriff Makaronesien, unter ihnen ist die Zuschreibung des Begriffs an Webb verbreitet, allerdings konnte eine wissenschaftliche Untersuchung von 2024 den Begriff in seiner Histoire naturelle des Îles Canaries selbst nicht nachweisen. Trotzdem wollte ich schon immer mal darüber schreiben. Ob er sein Erstaunen oder seine Erkenntnisse in genau jenen Worten äußerte, die hier stehen, darf bezweifelt werden, ich hätte sie passend gefunden.
Und natürlich sei niemanden geraten, mit einem Flugzeug in möglichst kurzer Zeit alle Inseln zu besuchen, im Gegenteil: auch wir bereisten die Azoreninseln größtenteils mit Schiffen, mit alten Fähren, die auf dem Mittelmeer längst ausgemustert worden waren, mit kleinen Zodiaks, Schlauchbooten mit starken Außenbordmotoren; begleitet von Delphinen, es werden unvergessliche Momente bleiben.
Unsere Reise zu den Kapverden und unser Inselhopping haben wir wenigstens CO2-kompensiert.
Der Großteil der Bilder, die hier zu sehen sind, haben wir selbst aufgenommen, sie stammen aus unserem Archiv. Für die Natternköpfe und Drachenbäume fehlte uns jedoch das passende Bild. Dass wir Webb nicht über die Schulter blicken konnten, versteht sich irgendwie von selbst.
