Ab und zu geistert dieser Name durch die Medien, ist er doch mit seinen 58 Buchstaben der wohl längste Ortsname Europas, wenn nicht sogar der Welt. Jetzt haben wir auch dieses Superlativ auf unserer ungeschriebenen Bucket List abgehakt. Ehrlicherweise wussten wir gar nicht, dass er auf der Liste stand. Aber wenn wir schon mal in Wales sind…

Methoden, welche sich bei unseren Reisen als tägliches Tun so eingeschliffen haben, scheitern hier. Die Frage „Wie wird der Ort geschrieben?“ um diesen in der Navigation zu finden, könnte nicht in endlicher Zeit beantwortet werden. Oder wie buchstabiert man Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch? Wenn der Befragte damit fertig wäre, ist der Urlaub vorbei.

Der Ort liegt auf der Insel Anglesey im Nordwesten von Wales, sowieso Ziel des heutigen Tages. Auf der Insel spricht oder versteht noch weit mehr als die Hälfte der Einwohner Walisisch.

Doch fangen wir vorn an:

  • ll wird wie ein geschlossenes L gesprochen. Ein geschlossenes L also – ganz einfach, oder? Man solle gleichzeitig ein l und ein h sprechen.
  • ai spricht man wie Ei
  • ein f wird gesprochen wie ein englisches v, vielleicht wie ein deutsches V in „Vase“
  • das w ist wie ein englisches oo, wie bei „boot“ – im Deutschen vielleicht wie ein u in „Hut“
  • y wird in einsilbigen Wörtern und in der letzten Silbe von mehrsilbigen Wörtern wie y in „Pyramide“, sonst wie ein unbetontes deutsches e in „bitte“ gesprochen
  • das ch ist für Deutsche einfach, ein Kehllaut wie bspw. bei „ach“. Die englische Beschreibung dieser Aussprache braucht für diesen einfachen Sachverhalt mehrere Absätze – dort gibt es so etwas nicht.
  • vier l nacheinander? Das ist dann wohl eine Wortgrenze – die eine Silbe endet geschlossen, die nächste Silbe beginnt wiederum genau so. Ganz einfach, oder?

Wir wissen jetzt Bescheid. Mit einem halben Tag Übung hätten wir es drauf:

ˌɬan.ˈvair.puɬ.ˌɡwɪn.ɡɘɬ.ɡo.ˌɡe.rɪ.ˌχwɪrn.ˌdro.buɬ.ˌɬan.tɘ.ˈsi.lio.ˌɡo.ɡo.ˈɡoːχ

Näher betrachtet, finden wir im Walisischen Parallelen zum Bretonischen – beides sind keltische Sprachen. Auch isländische Ausspracheregeln erkennen wir – Wikinger und Kelten waren halt Nachbarn. Die wikingischen Runen Þ und ð sind im walisischen ein th und ein dd. Ich bleibe trotzdem bei Isländisch. Verglichen hiermit spricht sich ein Eyjafjallajökull fast von allein.

Der ellenlange Bandwurm-Name Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch entstand als Marketing-Gag. Die Bewohner suchten nach Aufmerksamkeit als ab den 1850er Jahren eine Eisenbahnlinie durch das Dorf führte und Zugreisende zum Zwischenstopp bewegt werden sollten. Mit uns hat es, auch ohne Eisenbahn, funktioniert.

Wer von uns eine Karte von der Gelben Post – halt wir sind in Great Britain – von der Königlichen (roten) Post bekommt, sollte ganz genau schauen, ob diese in Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch gestempelt wurde. Vielleicht die einzige Karte, welche man je im Leben von der

Marienkirche in der Mulde der weißen Hasel, in der Nähe eines schnellen Strudels und der Kirche St. Tysilio bei der roten Höhle

bekommt. Das wäre die wohl ziemlich korrekte Übersetzung des Ortsnamens.

Die Einwohner nennen ihren Ort übrigens nur Llanfair oder Llanfairpwll.

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