Wie nach dem Abendessen in unserem Hotel in Longyearbyen nicht anders zu erwarten, war auch das Frühstück sehr lecker.
Im Anschluss machten wir uns auf die Socken und liefen noch ein klein wenig durch die Stadt – oder nennen wir es besser Siedlung. Nur etwa 2300 Menschen leben in Longyearbyen. Hinter der Kirche gibt’s eine alte Bergbauruine, dort wollte Jens noch Fotos machen. Die Seilbahn für den Kohletransport ist schon lange außer Betrieb. Nur noch eine der einst sieben Minen wird heute noch genutzt. Dort wird noch ein wenig Kohle für den Eigenbedarf abgebaut.

In der Ferne konnten wir von dort aus unser zukünftiges schwimmendes Hotel schon sehen: Die M/S Nordstjernen lag etwas weiter draußen im Fjord. Vorher wurden wir aber mit einer ganzen Meute anderer Menschen im Hotel abgeholt und begannen unsere Stadtrundfahrt. Am Anfang hatten wir eine Stunde Zeit im Museum und dann ging es in eine Nachbildung der ersten Siedlung von Willem Barents – dem Entdecker Spitzbergens. Dass diese Siedlung das Überwinterungscamp Barents‘ darstellt und nicht hier in Spitzbergen errichtet wurde, sondern fast 1500 Kilometer weiter südöstlich auf Nowaja Semlja, darüber sehen wir mal großzügig hinweg.

Außer wirklich süßen Hunden gab’s dort auch noch ebenso süße Waffeln, wenn man nicht die mit Geitost, der unsäglichen karamellisierten Käsespezialität aus Norwegen, erwischte. Nicht fehlen durfte natürlich ein Stop am wohl berühmtesten Fotomotiv Spitzbergens, einem der Schilder „Vorsicht Eisbären“ an der Siedlungsgrenze von Longyearbyen.

Dann war es aber soweit: Es ging aufs Schiff und nach Tischreservierung, Einzug ins Zimmer und Sicherheitsübung fuhren wir gen Westen aus dem Isfjord heraus. Nach etwa zwei Stunden Fahrt bei schönstem Wetter kam Barentsburg in Sicht und augenblicklich kamen wir uns vor als hätten wir das falsche Reiseziel anvisiert: Russland grüßte uns von Land.

Barentsburg wurde 1932 gegründet um Kohle abzubauen. In der 1990er Jahren lebten hier etwa 1500 Russen und Ukrainer, heute sind es noch etwa 500. Kohle wird auch heute noch abgebaut, allerdings nur um sich selbst zu versorgen. Das verstehe, wer will: Da existiert eine Siedlung um Kohle abzubauen und die Kohle wird nur abgebaut, damit die Siedlung existieren kann. Das ganze ist für Russland ein ziemliches Minusgeschäft, aber halt ein Politikum. Die Bergleute stammen so ziemlich alle aus dem Donezbecken – hier gibt es gut bezahlte Arbeit.

Ansonsten ist der Ort halt russisch: Hinter die verfallenden Gebäude in der ersten Reihe werden halt neue größere Gebäude gebaut – in der selben Architektur wie im Kernland. Die Gebäude trage große Gemälde, wie wir sie teilweise auch noch aus unserer Jugend kennen. Selbst eine Lenin-Statue gibt es noch. Hierzu gab es allerdings Überlegungen diese durch ein Denkmal an Willem Barents zu ersetzen. Aber die Touristen lieben den Lenin halt als Motiv für ihre Selfies.

Von der Bevölkerung des Ortes gab es für uns dann ein russisches Folkloreprogramm – dass wir so etwas noch erleben müssen. Aber was soll man in den langen und dunklen Winternächten hier auch sonst tun? Wir waren aber nicht böse, als wir diesen Ort wieder verlassen haben, fühlten wir uns doch tatsächlich wie im Urlaub falsch abgebogen.

Den Tag beendeten wir in der Bar, aber nur um einen schönen Platz zum Sitzen und Glotzen zu haben. Jens macht noch ein paar fotografische Flugstudien der Eissturmtaucher, die über das spiegelglatte Meer segelten. Wenn das Wetter so bliebe die nächsten Tage wäre das ein Hauptgewinn…

Mitternacht sind wir dann vernünftigerweise in unsere Kabine gegangen und haben den Nachtschlaf eingeleitet – gar nicht so einfach, wenn es immer hell ist.

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