Das Tafilalt, auch Tafilalet, in Taschelhit ⵜⴰⴼⵉⵍⴰⵍⵜ, ist die südlichste mehrerer Oasen in der marokkanischen Sahara. Die Oasengruppe ist mit 1380 km², 300 Dörfern und bis zu 150.000 Einwohnern die ausgedehnteste der Welt. Der Name Tafilalt bedeutet in der Sprache der Berber „Land der Hilali“. Hilali werden die Bewohner des Tafilalt genannt. Die Oasengruppe liegt in den Ausläufern des Atlas-Gebirges. Die Lage wurde früher mit zehn Kamelkarawanentagen südlich von Fès angegeben. Die traditionelle Wirtschaftsform war die Oasenwirtschaft mit der Dattelpalme als Leitpflanze. Darüber hinaus spielte der Handel mit gegerbten Fellen, Straußenfedern, Sklaven, Salz und Goldstaub bereits in der Antike eine große Rolle. Daneben entstanden Kleinhandwerk und Kleinhandel. Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts kam der Tourismus als wichtiger Wirtschaftsfaktor hinzu − seitdem werden auch Güter produziert bzw. gehandelt wie Saffian (feinstes Ziegenleder), Seide und Teppiche. Auch der Handel mit − meist glatt geschliffenen und polierten − Fossilien spielt eine Rolle im Wirtschaftsleben der Region.
Der Nordrand des eigentlichen Beckens des Tafilalts liegt in 1100 m Höhe. Diese ausgedehnten Hochflächen, die nur einen äußerst spärlichen Pflanzenwuchs tragen, sind Fels- und Steinwüsten. Solche Fels- und Steinwüsten, die Hammadas, sind wesentlich verbreiteter als Sandwüsten, die Ergs. So besteht die Sahara zu 70 Prozent aus Hammadas, auch wenn wir Europäer uns immer ein einziges Sandmeer vorstellen.

Max Gschwend schrieb 1952 in „Wasser oder Salz, Das Lebensproblem der Oase Tafilatet“

Die morphologische Grenze des Atlas-Gebirges ist gekennzeichnet durch Falten und Flexuren. Mächtige Schuttfächer schmiegen sich an die Hänge und ziehen hinaus auf die schwachgeneigten Hochflächen der Hammadas, langsam mit ihnen verschmelzend. Vermehrte Niederschläge in den Hochlagen und die teilweise erst im April und Mai verschwindende Schneedecke erzeugen auch im Sommer nicht versiegende Wasserläufe, die lebenspendend als Fremdlingsflüsse in die ausgedörrten und hitzeflimmernden Weiten der saharischen Randgebiete hinausströmen. Nur ausnahmsweise sind allerdings die Fluten oder gelegentlichen Hochwasser westlich des Tafilalets so groß, daß der Oued Dra, dessen wichtigster Nebenfluß der Oued Dades ist, auf langem Lauf durch die Zehrgebiete noch den atlantischen Ozean erreicht. Den meisten geht es so, wie den Oueds Rheris und Ziz, welche immer schwächer und schwächer werdend endlich in Salzpfannen weiter Beckenlandschaften der westlichen Sahara versiegen.

Heute erreichen die Flüsse Ziz und Dadès die westliche Sahara nicht mehr. Sie versanden schon weit eher. Dies ist auch den Aufstauungen am Fuße des Atlas-Gebirges anzulasten, da schon dort auf den großen Wasseroberflächen viel zu viel Wasser verdunstet.

Schon die heiße, staubige Fahrt … auf einer schmalen Piste quer durch die Ausläufer des Djebel Ougnat-Massivs gab uns einen schwachen Begriff vom Kommenden. Noch wirkte die winterliche Feuchtigkeit im Boden und zauberte einen grau-grünen, gelb und weiß blühenden Flor über die welligen Flächen. Beim Näherkommen löste sich aber diese Vegetation in einzelstehende, oft mehrere Meter von einander entfernte Pflanzenbüschel auf, zwischen denen der nackte Boden hervorschaute. In wachsender Entfernung schlossen sie sich hinter uns wieder zu einer scheinbaren Einheit. Tiefe, sandreiche Flußtäler, wo uns das trockene Element mehr Schwierigkeiten bereiten wollte, als das nasse, mußten gequert werden, dann folgten wieder weite ebene Landschaften, randlich durch stark abgetragene Hügel begrenzt. In der heißen Mittagszeit hatte sich ein heftiger Wind erhoben, der die Staubwolke hinter unserm Wagen in einer riesenlangen Fahne zerfasern ließ. Erstickender, gelblicher Dunst stand über den Felsrippen des herausragenden Grundgebirges im Süden und Südosten. Noch wußten wir ahnungslose Nordländer nicht, was uns drohte.

Eine Reise durch das Tafilalt hat heute nichts abenteuerliches mehr, nicht so, wie es in den 1950er Jahren Max Gschwend noch schilderte. Aber noch heute ist es wohl für jeden Nordländer eine eindrückliche Erinnerung, das erste Mal im Leben von oben in ein Wadi mit einer Palmenoase zu blicken. Das ging vor dreizehn Jahren uns so und den beiden Jungs in diesen Tagen auch. Für sie war es vor der Wüste die Oase des Ziz, die sich etwa 80 Kilometer durch das Tafilalt schlängelt. Kaum vorstellbar, dass die Beiden in diesem Moment auf einen nicht unerheblichen Anteil der Weltdattelproduktion geblickt hatten.

Nicht die größten, aber die fotogensten Palmenoasen im Tafilalt machen den Reiz von Tinghir aus. Einer der Palmenhaine verläuft eher in ost-westlicher und der andere eher in nord-südlicher Richtung. Beide bilden grüne Uferlandschaften entlang des Oued Todhra. Dort, wo die fruchtbaren Böden enden, beginnt die Bebauung. Früher waren dies zum Teil sogar mehrgeschossige Lehmbauten mit Ecktürmen in der Art der Tighremts, doch von ihnen hat sich nichts erhalten. Die noch existierenden turm- und schmucklosen Lehmbauten stammen allesamt aus der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Viele der alten Lehmbauten werden von den Eigentümern nicht mehr instand gehalten, denn in den lichtlosen, staubigen und mittlerweile auch einsturzgefährdeten Lehmhäusern will in der heutigen Zeit niemand mehr wohnen. Nur landflüchtige Kleinbauern, die zu den Ärmsten der Armen in Marokko gehören und sich in Tinghir als Tagelöhner verdingen, haben keine andere Wahl und sind mit dem billigsten Wohnraum zufrieden.

Angebaut bzw. angepflanzt werden Gerste, Gemüse (Bohnen, Kichererbsen, Möhren etc.) und Baumfrüchte (Datteln, Feigen, Granatäpfel, Oliven etc.). Die Bäume spenden überdies den für die Oasenwirtschaft notwendigen Schatten. Die Wasserversorgung erfolgt über das aus den Bergen ablaufende Schmelzwasser des Todhra-Flusses, welches mit Hilfe von nur zeitweise betriebenen Dieselpumpen, welche die Handarbeit früherer Zeiten ersetzt haben, in kleine, höhergelegene Kanäle befördert wird und von dort auf die Felder gelangt.

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