Nach einer Nacht im schönen La Perle du Dadès nahmen wir uns heute Morgen ausreichend Zeit zum Ausschlafen, gemütlich Frühstücken und Karten schreiben. Letztere gibt’s diesmal für alle gleich per Internetversand, nicht sehr originell, aber effizient. Der wirklich bemühte „Concierge“ wies mich auch mehrfach daraufhin, dass wir im Urlaub sind und keinen Stress machen müssten. Dann brachte er gleich nochmal Tee. So verließen wir die Unterkunft tatsächlich erst 11.15 Uhr und begaben uns auf den Weg, um ein bisschen was vom Hohen Atlas zu „erfahren“. Wir sind in diesen Tagen hier schon viel Zeit im Auto unterwegs, aber um von allem ein bisschen was zu erahnen, müssen wir halt auch ab und an „Strecke machen“. Da bleibt für das eigene Erlaufen und Erwandern leider nicht so viel Zeit, aber die Jungs haben zumindest einen Eindruck und wer weiß, vielleicht können und wollen sie das ein oder andere später auch nochmal intensiver wiederholen. Auch für uns gab es ja Gründe, dieses Land öfter zu bereisen.

Auf der Strecke nach M‘Semrir konnten wir zum einen das Gebirge in seiner Unterschiedlichkeit bestaunen, vor allem den krassen Gegensatz zur Wüste und zum anderen auch die Armut der hier lebenden Bevölkerung wahrnehmen. Obwohl ich normalerweise sehr strikt bin, was das Unterstützen von Bettelei betrifft, bin ich hier schwach geworden und habe einem Jungen, der die ganze Zeit neben seinem (jungen) Kamel lag, 1 Dirham gegeben. Heute habe ich viel über die Reise 2014 nachgedacht, als wir mit einer Tasche voll Montessori-Material tief in den Atlas in die „École vivante“ gefahren sind. Diese Schule sorgt genau dafür, nämlich das auch die Kinder der ärmsten Menschen, ganz tief im Atlasgebirge, eine abgeschlossene Schulbildung erhalten können. Mittlerweile ist es ein richtiger Schulcampus und die „Kinder“ können sogar eine Ausbildung machen. Hier sehe ich die einzige Chance, der Armut zu entkommen: Bildung.

Sowohl auf dem Weg ins Gebirge als auch auf dem Rückweg sahen wir viele Frauen, die im Fluss Wäsche gewaschen haben und andere, die große Bündel Feuerholz transportierten. Bei den Eseln fanden wir das noch süß, aber wenn ich sehe, dass es Menschen gibt, deren täglich Brot dies ist, zieht sich mir das Herz zusammen. Ich weiß zwar, dass ich keine Möglichkeit habe, jetzt und hier die Welt zu verändern, aber manchmal wünsche ich mir schon einen Zauberstab. Ich hoffe einfach mal, dass das Geld, was wir hier im Land lassen auch immer genau bei denen ankommt, die es brauchen.

Das Gegenteil von Armut konnten wir ein paar Stunden später in Ouarzazate sehen. Dort lebt die Bevölkerung vom Filmgeschäft auf der einen Seite und von der Produktion von Solarstrom andererseits. Die Häuser sind ungleich größer, schöner, moderner, ein Gegensatz innerhalb von 100 km wie er größer fast nicht sein könnte.

Diesen Ort lassen wir allerdings ohne Stopp hinter uns, denn nicht weit davon entfernt liegt unser eigentliches Tagesziel – Aït Ben-Haddou. Hier haben wir kurz vor der Abreise noch eine Unterkunft in der Kasbah Tebi ergattert, die innerhalb der Mauern des Ksars liegt. Da es schon kurz vor dem Sonnenuntergang war, als wir ankamen, wurden uns die Zimmer später im Kerzenschein gezeigt. Seit ein paar Jahren gibt es hier zwar auch Strom, dieser scheint aber nur für die Haupträume zu reichen. Das ist aber gar nicht schlimm, es macht das Ganze nur romantischer.

Das Abendessen nehmen wir in der Kasbah (die eigentlich ein Tighremt ist) ein, ganz nebenbei entwickelt sich ein Gespräch mit den am Tisch sitzenden Amerikanern. Die versprochene Musik kommt irgendwie nicht zustande, so dass wir auf dem Dach noch ein wenig in den Sternenhimmel schauen und uns dann in unsere kerzenbeleuchteten Zimmer zurückziehen.

Internet gibt’s hier quasi nicht, daher werden sämtliche ausstehenden Berichte auch frühestens morgen veröffentlicht 🙂

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