Heute brach er dann an, der letzte volle Tag auf diesem alten Schiff der Hurtigrute. In den zurückliegenden drei Tagen haben wir schon eine Menge dieser wunderbaren Landschaft sehen dürfen und wir haben wirkliches Glück mit dem Wetter gehabt. Fast immer schien die Sonne vom blauen Himmel auf uns herab und Wind gab es quasi gar nicht. Genau so sah es auch heute aus, als wir die Augen aufschlugen. Die Umgebung spiegelte sich im Wasser, inklusiv des großen Königsgletschers. Perfekte Voraussetzungen für noch einen tollen Tag.

Die erste Anlandung gab es am Strand der Insel Blomstrandhalvøya. Insel? Der norwegische Name halvøya spricht dort von einer Halbinsel. In historischen Zeiten lag noch eine Gletscherzunge des benachbarten Kongsbreen über der Insel, sodass sie mit dem Festland (also nicht wirklich Festland – Spitzbergen halt) verbunden schien. Auch in vielen Karten ist die Insel noch als Halbinsel verzeichnet. Den Namen Blomstrandhalvøya behielt die falsche Halbinsel jedoch. Auf dieser wanderten wir in circa 2 Stunden ein weiteres Mal durch Tundra Richtung Ny-London.

Ny-London ist eine aufgegebene Bergbausiedlung. Die Marmorvorkommen auf Blomstrandhalvøya ließen zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Aufbau einer Marmorgrube als gewinnversprechendes Projekt erscheinen. Der englische Abenteurer Ernest Mansfield (1862–1924) hatte 1911 die Mittel zusammengebracht, hier Marmor abzubauen. Dafür wurden Wohnhäuser für etwa 70 Personen errichtet, ein Verladekran, eine Zugstrecke von der Mine zum Hafen, ebenso wie eine Dampfmaschine. Der abgebaute Marmor erwies sich allerdings als unbrauchbar aufgrund seiner Brüchigkeit durch die ständigen Frosteinwirkungen. Das Unternehmen scheiterte somit schnell. In der Folge wurden einige Wohnhäuser aus Ny-London nach Ny-Ålesund verbracht, andere zerfielen, wo sie waren. Heute bildet Ny-London mit seinen Ruinen und rostenden Maschinen als Geistersiedlung ein Zeugnis der Goldgräberstimmung auf Svalbard im frühen 20. Jahrhundert.

Nach einem schnellen Mittagessen legten wir seit Tagen das erste Mal wieder an einem Kai an. Wir besuchten die nördlichste Siedlung der Welt – Ny Ålesund. Heutzutage ist es eine Forschungsstation. Im Winter leben hier ca. 45 Menschen, im Sommer um die 200. Groß ist es nicht, aber wir haben ein bisschen Zeit hier verbracht. Vor allem haben wir im nördlichsten Postamt der Welt Stempel auf die unzähligen Karten gedrückt, die ich in weißer Voraussicht schon an Bord geschrieben hatte. So musste ich mich nicht in den Reigen derer einreihen, die vor dem Souvenirshop ihre Karte schrieben.

Nun hat das Schiff wieder Richtung Longyearbyen abgelegt. Nachher gibt es ein letztes Treffen mit Juliane, die uns wirklich gut und informativ begleitet hat und im Anschluss ein „Arktisches Quiz“, ja hier wird der Wissenserwerb sogar getestet;=) Wir dürfen dann bis morgen früh um 7.00 Uhr schlafen. Die meisten hier an Board verlassen das Schiff schon kurz nach Mitternacht, um nach Oslo zu fliegen. Auf uns wartet morgen noch ein halber Tag in Longyearbyen, bevor es wieder nach Tromsø geht.

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