Puh! Es wird immer wärmer. Schon vor vier Jahren im Sommer war unser Abreisetag der wärmste der ganzen Reise, wie heute wieder. Aber damals waren es 20°C, heute zeigt das Thermometer bei der Fahrt zeitweise 28°C. Ein Display in Egilsstaðir protzt gar mit einem für Island schier unglaublichen Betrag von 36°C! Wie eigentlich schon den ganzen Sommer schickt der dieses Jahr sehr verschobene Jetstream immer wieder das Azorenhoch, was eigentlich Westeuropa im Sommer versorgt, hier vorbei. Deshalb ist es im Norden und Osten der Insel diesen Sommer fast immer schön. Im Süden bleibt die feuchte Luft hingegen meist an den Gebirgen und Gletschern hängen und regnet dort ab. Aber heute ist es schon ein bisschen extrem. So hatten wir das nicht bestellt!

Unsere weiteren Aktivitäten nach dem ausführlichen, die letzten Reste des verderblichen Nahrungsbestandes verarbeitenden Frühstücks, halten sich in Grenzen. Ein Besuch des informativen Visitor Centers unterhalb des Snaefell und ein letzte kleine Wanderung zu einem unbenannten kleinen Wasserfall, den wir jenseits des Weges sehen, neben den immer wieder dekorativ in der Landschaft aufgestellten Pferden, müssen reichen.

Am Hengifoss sehen wir noch eine fähringische Reisegesellschaft mit ihrem Bus, die offensichtlich gestern mit der Fähre aus Tørshavn gekommen ist und wohl heute wieder mit „unserer“ Fähre zurückfahren wird. Sicherlich nur aufgrund des straffen Terminplans beschränkt sich der Besuch des Hengifoss auf Aussteigen, Klick! und Einsteigen. Vielleicht täten diesem Land weniger Touristen, aber mehr Besucher gut…

Jetzt wird unser „Highlander“ noch enttauft (nennt man das so?). Der Staub der letzten Wochen soll runter. Wir haben zwar das WoMo inkl. Endreinigung gebucht, wollen aber das Fahrzeug trotzdem in der Originalfarbe zurückgeben. Da hier an jeder Tankstelle entsprechende Reinigungs- und Entleerungsmöglichkeiten bestehen, ist das kein großer Aufwand.

Nun wartet noch ein letzter Pass auf uns, um über den Berg nach Seyðisfjörður in das Tal der tausend Wasserfälle zu kommen. Unsere Fähre wartet schon seit gestern auf uns, es ist schon der Winterfahrplan in Kraft. Im Ort herrscht geschäftiges Treiben, wie wohl immer wenn das Schiff da ist. Bei diesem Wetter ist fast jeder Tisch vor jedem Café besetzt, wir tun es den Anderen gleich.

Irgendwann reihen wir uns in die Schlange zum Check-In, werden gebeten zu Fuß zum Schalter zu gehen und warten dann wieder am Ende der WoMo-Schlange. Ein wenig später kommt eine junge, orange-jacked Frau zu uns und meint, wir sollen einfach mal an der Schlange vorbeifahren, dann scharf rechts, und gleich direkt aufs Schiff. Dort sind wir eines der ersten Fahrzeuge, welches einsortiert wird. Nach Inbesitznahme unserer Kabine gehen wir gleich ganz nach oben auf das Panoramadeck. Da wir zu den ersten an Deck gehören, können wir zwischen den begehrten Plätzen sogar wählen.

Das Schiff legt pünktlich 20.00 Uhr ab, kurze Zeit später sehen wir am Ausgang des Fjordes dichten Seenebel liegen. Schade, heute wäre eine Chance gewesen, Nordlichter zu sehen, meldet doch das geophysikalische Institut in Fairbanks in Alaska (diesen Dienst nutzen wir seit 2012 für die Vorhersage von Nordlichtern) für heute Abend einen Kp-Index 4. Na ja, das wäre dann vielleicht doch zu viel des Guten gewesen.

(Die Nordlichter gab es in dieser Nacht wirklich in Island zu sehen, wie wir inzwischen wissen.)

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