Heute früh zeigt das Thermometer 42° Grad. 42° im schottischen Sommer? Ja, 42° Fahrenheit. Als wir die Skala von Quecksilber auf Wasser umstellten, waren es noch kuschelige 6°C. Das ist selbst für die Highlands etwas frisch. Weil keiner von uns beiden Lust hatte, aus der Heckgarage das Wasser für den Kaffee zu holen, verlegten wir das Frühstück heute in ein Restaurant. Dort wurde ein schottisches Paar befragt, was sie heute machen würden. Sie antworten mit „We hunt the summer“. Da sollten wir wohl mitmachen.

Also probierte ich heute ein Full Scottish Breakfast. Das soll nochmals ein Steigerung eines schon oppulenten English Breakfast sein – ist es auch. Das Spiegelei wird eingerahmt von allerlei Fleisch: Linked Sausages, Loan Sausage, Black Pudding, Ham, dazu noch etwas, was entfernt an Kartoffelpuffer erinnert, Backed Beans und gegrillte Tomaten, natürlich nicht zu vergessen: Toast! Auf das Haggis habe ich verzichtet. Eva hat in weiser Vorraussicht darauf verzichtet und Pancakes mit Ahornsirup gewählt. Als unsere Order „geliefert“ wurde, war ich mir aber nicht mehr sicher, ob dies wirklich weiser war 😉

Dem Wetter zum Trotz wollten wir unsere Tour aber nach Norden fortsetzten. Unterwegs warteten noch zwei Whisky-Destillen auf unseren Besuchen, damit wir unser Arsenal an Proben auffüllen können. Das gelang uns heute aber nicht, keine der beiden Destillerien verkaufte solche Probenflaschen. Aber ein Blick in die Halle mit den Brennblasen bei Glenmorangerie war mir noch möglich. Ich sah 12 Brennblasen. Da ich inzwischen weiß, welcher Alkoholstrom aus 4 Blasen entweicht, habe ich eine Vorstellung davon, wie das bei 12 Blasen aussehen wird.

Auf dem Weg heraus aus den Cairngorm Mountains nach Norden führte uns die Straße über den Slochd Summit. Da wurde die Luft ganz schön dünn in 405 Metern Höhe 😉 Wir passierten Inverness und fuhren immer die Küste entlang. An dieser befahren wir jetzt die NC500, eine touristische Route, die von Inverness immer die Küste entlang verläuft, sowohl an der Nordsee im Osten als auch am Atlantik im Westen und dann in Ullapool die Highlands quert, um in Inverness wieder zu enden bzw. von vorn zu beginnen. Diese NC500 ist eine Erfindung der Tourismusbranche und wird entsprechend glorifiziert. Schlecht sind die Ausblicke natürlich nicht, wir kennen aber beeindruckendere Routen. Mir kam heute während der Fahrt immer der Cabot Trail in Neu-Schottland in den Sinn. Das sieht vielleicht bei mehr Sonne und blauem Himmel anders aus, aber wir mussten diese Lücken in den Wolken heute sehr lang suchen.

Unsere Strecke endete heute am Noss Head Lighthouse. In Sichtweite liegt die Ruine des Castle Sinclair Girnigoe. Eigentlich ideal um diese beiden Spots zu fotografieren – wenn es denn Kontraste und Farben gäbe. Morgen früh ist es bestimmt besser.

Jens

Er fotografiert und gelegentlich schreibt er auch.