Der heutige Tag war lang. Nachdem wir uns für 9 Uhr zum Frühstück verabredet hatten, schafften es zumindest Teile von uns, den Sonnenaufgang auf der Terrasse der Kasbah zu erleben. Das sah richtig toll aus. Dann ging’s nochmal für ein Stündchen ins Bett, bevor wir uns in die Sonne zum Frühstück setzten.

Die Temperaturen waren gut auszuhalten, ich konnte sogar mit Jacke dasitzen. Wir wollten dann unbedingt noch das Ksar der Amazigh-Berber besichtigen und da wir durch einen Hintereingang reinkamen (da wir ja quasi drin wohnten), ging das auch ganz ohne Führer. Wir liefen allein durch die Gassen und stiegen auch zur eigentlichen Kasbah, der Festung auf dem Gipfel, auf. Den obligatorischen Tee tranken wir auf dem Dach eines Berberhauses und erst nach der Bezahlung bot uns der Herr des Hauses eine Führung an. So konnten wir sehen, wie mit Handarbeit die Häuser wiederhergestellt werden und im Erdgeschoss gab es noch eine Einführung vom Bruder ins Weben von Teppichen, welches an dieser Stelle Berberfrauen erlernen.

Wir ließen noch den ein oder anderen Dirham im Ort (alles Wirtschaftshilfe) und machten uns auf den Weg zum Auto. Dieses brachte uns, gesteuert von Jens, durch das Wadi Ounila nach Telouet. Dort gibt es eine alte Kasbah, die als Zollfestung auf der Karawanenstraße über den Atlas diente. Ali, der uns herumführte, erzählte, dass dort über 1000 Dromedare am Tag abgefertigt wurden, bis die Kasbah zur Zeit des französischen Protektorats komplett zerstört wurde. Er führte uns durch die verschiedenen Räume und erklärte auch die Mosaike nochmals genau. Nachdem wir auch hier wieder ein bisschen Geld ausgaben – die Restaurierung wird im Grunde nur aus Eintrittsgeldern und Spenden bezahlt – und noch vom Dach ins Land schauten, führte uns Ali ins Restaurant, wo es endlich mal richtiges marokkanisches Essen gab 😉

Da es nun bereits 15 Uhr war und wir noch 5 Stunden Fahrt vor uns hatten, blieb im weiteren Verlauf des Tages nur noch Zeit für kurze Pausen, um hier und da mal ein WC aufzusuchen – und um in einer Kooperative Safran zu kaufen. Wo sonst, wenn nicht hier direkt bei den Erzeugerinnen. Wir erwarben die getrockneten Blütenstempel von hunderten Krokusblüten, zu Hause wäre dies ein kleines Vermögen. Hier wurden sie uns aus einer Art Milchkanne abgewogen. Welchen Gesamtwert die Füllung darin hatte, können wir nur erahnen: Wir müssten wohl sehr lang dafür stricken. Ansonsten fuhr Jens wacker durch. Nachdem die Sonne untergegangen war, schien das aber immer mehr einem Glücksspiel zu gleichen, denn ständig tauchten dunkel bekleidete, nicht beleuchtete Radfahrer oder Fußgänger auf. Ein Wunder, dass die alle noch leben.

In Taroudannt sind wir geradewegs in das uns bereits bestens bekannte Riad Tafilag marschiert und wurden hier schon mit dem Abendessen erwartet. Heute gab es das Gemüse mal in Form einer Lasagne und auch die Vor- und Nachspeisen waren sehr lecker. Nun sitzen wir hier 22.15 Uhr bei ungefähr 30°C auf unserer Terrasse, was für ein Unterschied zum Morgen. Da muss der Kopf (und der Körper) auch erst einmal damit klar kommen.

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