Fällt ein Samenkorn in den Schlamm,
ist es dennoch wertvoll.
Steigt Staub zum Himmel empor,
bleibt er wertlos.

(Saadi von Shiraz)

Nach einer seeeehr heißen Nacht (der Indikator ist die Benutzung der Klimaanlage über die gesamte Schlafenszeit) machten wir uns am Vormittag auf Richtung der Stadtmauer Taroudannts. Diese wollte bestiegen werden, aber ich hatte in Erinnerung, dass man sehr viel weiter darauf herumlaufen kann als es dann wirklich ging. Die männlichen Reiseteilnehmer erkundeten, ob es noch einen anderen Aufstieg gibt, ich habe mich derweil in den Schatten zurückgezogen, da bereits am Vormittag die Sonne ihrer Rolle als heißer Stern mehr als gerecht wurde.

Danach begaben wir uns zum Souk. Ich wollte gern einen neuen Bastkorb und Mini-Tajinen für Gewürze. Was für ein Unterschied zu Städten, in denen hauptsächlich für Touristen die Waren ausgestellt sind. Hier waren die Preise von Anfang an so gering, dass selbst Elias nur ein halbherzigen Handelsversuch unternahm. Nun kann ich also mit neuer Tasche einkaufen gehen und Teile unserer Gewürze bekommen ein anderes Zuhause 😉

Als dies erledigt war, peilten wir unser nächstes Ziel an. Im völlig überhitzten Auto fuhren durch die Souss-Ebene in den Antiatlas, vorbei an vielen Arganien, in Richtung Tafraoute.

Dort wollten wir zu Mittag essen und ich hatte mir die Mühe gemacht, ein Bio-Restaurant rauszusuchen, welches mit „hier werden sich Vegetarier freuen“ im Internet bewertet war. Als wir ankamen, gab es zwar noch Aubergine, aber ansonsten nur noch Fleisch-Tajine. So zogen wir unverrichteter Dinge ab und fuhren zu dem Restaurant, in dem Jens und ich vor 6 Jahren schon mal gegessen hatten. Der einzige ältere Herr, den es vor Ort gab, überschüttete uns mit schwer verständlichem Französisch, aber am Ende bekamen wir zwei vegetarische Tajinen, eine mit Huhn und für mich reichte es am Ende sogar zum Berber-Omelette. Dafür wurde sogar der Koch zurückbeordert, was für eine Gastfreundschaft. Ich bin jetzt mal böse und sage, bei uns zu Hause hätte man uns zu verstehen gegeben, dass geschlossen sei 🙁

Gut gestärkt machten wir uns mit dem Auto auf holprigen Straßen auf den Weg zu den „Painted Rocks“. Als wir damals hier waren, gab es ein paar wenige blaue Steine, die ein belgischer Künstler anzumalen gedacht hatte, damit es hier mehr Touristen gibt. Heute sind ganze Berge blau und es ist einfach eine Verschandelung der Landschaft. Am besten hat es Elias auf den Punkt gebracht:

Es ist schon ein sehr eigenartiges Mindset, in andere Länder zu gehen und aus touristischen Gründen die Landschaft blau anzumalen.

Man stelle sich dies nur mal in unserer Heimatstadt vor 😉

Von dort fuhren wir aber wieder durch ganz wunderbare Berglandschaften und machten noch einen kurzen Fotostopp im Tal der Ammeln, einem mit den Chleuh-Berbern ⵉⵛⵍⵃⵉⵢⵏ verwandter, weiterer Stamm hier im Antiatlas.

Mittlerweile sind wir am Ziel, der Kasbah Tizourgane, angekommen. Vor 6 Jahren wohnten wir hier noch unter sehr viel einfacheren Verhältnissen, aber auch heute wird das Gepäck noch mit einem Kran nach oben transportiert. Wir wurden freundlich empfangen und verbrachten die Zeit bis zum Sonnenuntergang mit Tee auf der Dachterrasse und liefen danach noch ein bisschen durch die Gassen des Agadirs. Auch hier handelt es sich nicht im eigentlichen Sinne um eine Kasbah, sondern um eine Speicherburg, ein Agadir. Aber welcher Tourist kennt schon die Unterschiede, werden sich die Berber denken und nennen wohl vorsichtshalber alles „Kasbah“.

Nun gibt’s gleich Abendessen und danach hoffentlich einen gigantischen Sternenhimmel.
Morgen bricht unser letzter vollständiger Tag in Marokko an – wie schnell die Zeit doch vergeht.

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