10 Uhr am Morgen ist das tägliche Treiben auf dem Djemaa schon wieder im Gange. Noch atmet er nicht, aber er holt schon Luft. Die Stimmung in den Souks ist noch gedämpft, die ersten Fußgänger irren wie wir gemächlich durch die Gassen. Erst am Abend zu Sonnenuntergang wird das Leben hier wieder an Tempo gewinnen, werden die Stimmen, Trommeln und rhythmischen Klänge lauter werden – wie jeden Tag. Dann werden wieder Tausende zum Treffpunkt der Stadt strömen, dann werden die fliegenden Händler weichen und den Platz wieder an Gaukler, Märchenerzähler, Schlangenbeschwörer, Feuerschlucker, Musiker und Akrobaten übergeben.

Wir wollen heute morgen aber zu den Händlern, noch letzte Dirham in Mitbringsel tauschen. Die Stände der Saftpresser wählen wir selbst aus, gleichmäßig über den Djemaa verteilt, wählen wir juice du pampelmousse und juice du granate. Den Orangensaft sparen wir als geübte Marrakechi aus, denn der ist meist vorbereitet und nicht ganz frisch gespresst. Das ist nicht unbedingt minder lecker, aber wir wollen so kurz vor dem Rückflug unser Verdauungssystem nicht übertrapazieren, hat es doch bei uns allen die letzten fast zwei Wochen super und ohne chemische Hilfsmittel funktioniert.

Daheimgebliebene sollen noch mit Datteln beglückt werden – das ist schon schwieriger, sind doch unsere Ansprüche als Palmenhain-von-oben-Betrachter, Oasenbesucher und Tafilalt-Bezwinger deutlich gestiegen. Aber in Marrakesch hat am Vormittag noch nicht jeder Händer Lust mit uns zu handeln, wir werden manchmal geradezu ignoriert. Der Vormittags-thé-à-la-menthe scheint wichtiger. Aber irgendwann haben wir unsere Dattelbestände erweitert und machen uns langsam auf den letzten Gang zum Riad. Arganöl, neben Safran der wohl individuellste „Rohstoff“ aus der Region, fehlt uns noch. Nicht wir wählen den Ort des Handelns, nein, wir werden auserwählt: Beim Gang durch die Gassen gelingt es einem Apotheker leicht, uns zu verführen. In einer kurzen Präsentation demonstriert er die Vorzüge von Schwarzkümmel, Botox du Maroc (Feigenkaktus-Salbe) und Arganöl. Hätten wir dies also auch noch abgehakt.

Nur Eines bleibt unprobiert: der Saft des Zuckerrohres. Am ersten Abend habe ich den Jungs noch angedroht, diesen am Ende probieren zu „müssen“, heute morgen ist aber nirgends ein Rohrpresser zu finden. „Enttäuschend!“ sind Elias Worte dazu.

Kommentar verfassen