Nun ist es soweit. Vor 2,5 Jahren, Ostern 2020, hatten wir eine Reise geplant, Unterkünfte gebucht, voller Vorfreude auf ein Jahr geschaut, in dem wir viel reisen wollten und mit Fassungslosigkeit, Sorge und auch immer mal wieder mit etwas Angst auf die Entwicklung einer Pandemie schauten, von der wir nicht wussten, wie sie sich entwickeln würde. Damals mussten wir die Reise mit Elias absagen, jetzt sind wir mit ihm und Kleopas unterwegs. Zumindest ich habe in der Woche vor unserer Abreise immer mal wieder gebangt, ob alles gut geht, da sich knapp die Hälfte der Erwachsenen an unserer Schule sich nach und nach mit Krankheiten verabschiedeten.

Am Reisebericht erkennt man allerdings: Wir sind unterwegs. Oktober 2022 – Marokko, im Gepäck auch Erinnerungen an vorangegangene Reisen rund um den Atlas. Jens hat den Beiden eine Bildungsreise angedroht, von Spaß war nie die Rede 😉

Inzwischen konnten wir einen der jüngeren Reiseteilnehmer dazu überreden, inhaltlich auch etwas dem Blog hinzuzufügen. Wir empfinden das als deutliche Aufwertung der Inhalte.

Alle aufmerksam virtuell Mitgereisten haben es bestimmt schon gemerkt: Einige der gezeigten Bilder entstanden nicht in diesen Tagen, sondern während vorangegangener Reisen durch Marokko, nie waren wir besser vorbereitet als dieses Mal. Damals fotografierte Jens mit deutlich höherem Aufwand. In diesen Tagen genügte ein Handy oder zwei oder drei oder gar vier davon, jedem sein eigenes. Ohne geht es wohl nicht mehr…

Wissen ist besser als Reichtum.
Um Reichtum musst du dich kümmern,
das Wissen kümmert sich um dich.

Abū l-Hasan ʿAlī ibn Abī Tālib

Diese Reise, ein Geschenk für die beiden Mitreisenden und auch für uns, war bestimmt keine Erholung im herkömmlichen Sinn, dafür war die Tour viel zu dicht gepackt. Pure Erholung sollte sie auch nicht sein, sie sollte Eindrücke vermitteln. Eindrücke aus einem anderen Teil der Welt, welcher gar nicht so weit entfernt ist, dafür aber umso weiter entfernt scheint. Marokko ist sicherlich nicht für jede oder jeden ein Must-Visit-Ziel, aber für einige, zu denen zählen wir uns. Immer reist hier auch die Demut mit, Demut vor den Privilegien, die wir alle in unserer Gesellschaft genießen und denen wir uns viel zu selten bewusst sind oder werden. Schade nur, dass jene, welche dieses Bewusstsein besonders nötig hätten, dieses wohl selten so erlangen können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein arabisches Sprichwort meint:

Viele Reisen lassen einen unfertigen Menschen reifen.

Vielleicht sind wir alle wieder ein Stück mehr gereift.

Für uns war es spannend zu sehen, wie vorsichtig die beiden Mitreisenden sich am ersten Tag dem Orient näherten und wie diese Vorsicht jeden Tag weniger wurde, dafür sich aber langsam Reizüberflutung zeigte. Länger hätte die Tour nicht gehen dürfen, das haben auch wir festgestellt. Die Route war ganz bewusst so angelegt, wie sie war: Spontanes Eintauchen in den Orient, ein bisschen Moderne in Casablanca, dann Fès, das Epizentrum orientalischen Lebens, weiter in das Reich der Berber, die Oasen, die Sahara und das karge Hochgebirge des Atlas und des Antiatlas. Der Höhepunkt war sicherlich die Wüstentour, die leider nicht mehr genau das ist, was wir vor Jahren erleben durften. Aber das ist vielleicht nur unserer Problem, diesen Vergleich haben die Beiden nicht.

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