Soviel sei gesagt, es war anders als vor 8 Jahren, aber es war schön. Den Donnerstag brauchten wir als Reisetag, um von Azrou in die Wüste zu gelangen. Gleich am Morgen gab es nochmal eine Unterbrechung bei den Berberaffen. Mit dem nötigen Kleingeld konnte man Erdnüsse und Bananen bei den ansässigen Händlern kaufen. Im ersten Versuch kaufte ich (nach Diskussionen mit Jens) nur eine Tüte Erdnüsse und verlor sie noch vor dem Bezahlen an einen besonders dreisten Affen, der sie einfach aus meiner Hand riss. Im zweiten Versuch gab’s dann Erdnüsse und Bananen, die gerecht an Elias, Kleopas und mich aufgeteilt und dann an die Affen verteilt wurden. Jens beschränkte sich aufs Fotografieren.

Weiter ging der lange Fahrtag. Die beiden Hinterbänkler verfallen beim Einsteigen ins Auto fast sofort in komaartige Zustände (das kennen wir bereits von der Schwester 😉 ) und so erfolgte ein nächster Stopp erst an der Oase de Ziz. Die Raststätte mussten wir uns zwar mit Hunderten von Rallyeautos teilen, aber es war auch noch Platz für uns. Am Ende konnte Elias nochmal seine Handelsfähigkeiten unter Beweis stellen und eine Packung Datteln ins Auto mitbringen. Wir sind uns aber nicht sicher, ob es ihm wirklich gelang, die besten Datteln von 100 Dirham auf 75 herunterzuhandeln, oder ob er die zweitbesten Datteln statt für 50 dann für 75 gekauft hat. Unabhängig davon sind beide Qualitätsstufen so bei uns nicht zu bekommen.

Ziemlich pünktlich 16 Uhr kamen wir im Ksar Bicha an. Von da aus waren wir vor 8 Jahren zu unserer Kamel-Trekking-Tour durch die Erg Chebbi gestartet. Da wir damals so zufrieden waren, haben wir uns unter den zahlreichen Anbietern wieder das Ksar Bicha ausgesucht.

Es reichte noch für einen Sprung in den Pool für die Jungs und dann ging es ab aufs Kamel. Der Kamelguide war sehr schweigsam, führte uns aber zum Sonnenuntergang auf eine Düne, auf der wir zwar nicht allein waren, aber wir konnten vom Kamel absteigen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt das Gefühl, keinen Schritt laufen zu können, 5 Minuten später ging es dann wenigstens ein bisschen besser. Nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden war, verschwanden auch die zahlreichen „Mitgucker“ zurück Richtung ihrer Hotels und zumindest ab da waren wir allein unterwegs.

Im Laufe der Zeit wurde es ziemlich dunkel und zumindest ich saß verkrampft auf dem Kamel und hielt mich fest, da ich auch nicht mehr abschätzen konnte, wann es plötzlich „düneabwärts“ ging. In der Ferne tauchten alsbald Lichter auf und es war klar, dass wir nicht an einem einzelnen Camp ankommen würden. Wie viele es wirklich gab, würden wir erst am nächsten Tag herausfinden.

Im Camp wurden wir freundlich von einem Berber begrüßt, der die folgende Zeit sehr um uns bemüht war. Wir konnten uns ein Zelt aussuchen und – erste Überraschung – es gab richtige Betten, elektrisches Licht und einen Spiegel. In einer kurzen Campeinweisung erfuhren wir dann – zweite Überraschung – dass es ein WC und warme Duschen gäbe. Wir staunten nicht schlecht und entschieden, dass wir auf das Duschen in der Wüste verzichten würden (By the way: Das Duschen am heutigen Morgen im Ksar Bicha war durchaus auch in der Wüste, nur fühlte es sich in der Hotelanlage nicht so an.) Nach dem Tee wurden wir schon bald zum Abendessen erwartet und es gab (wie von uns schon ein wenig befürchtet), Tajine mit Fleisch. Aber glücklicherweise gab es ansonsten so viele vegetarische Vorspeisen und Beilagen, dass auch die vegetarischen Mitreisenden satt wurden.

Nach dem Essen offerierte man uns ein Feuer und Gesang. Wir nahmen natürlich an, kaum vorstellbar, dass man es nun auch gut am Feuer aushalten konnte, obwohl es tagsüber doch so heiß war. Wir waren die einzigen Gäste im Camp und wurden freundlich, aber nicht aufdringlich umsorgt, das war sehr angenehm. Nach Feuer und Gesang schaute sich vor allem Jens mit Elias und Kleopas noch ein wenig den Sternenhimmel an. Die Milchstraße war wunderbar zu sehen und natürlich auch unzählbare weitere Sterne. Ich begab mich derweil Richtung Bett, um noch ein wenig zu lesen, aber alsbald fielen mir die Augen zu.

Am Morgen klingelte der Wecker kurz nach 7, da wir zum Sonnenaufgang wenigstens auf ein nahegelegenes Dünchen laufen wollten (und dies auch taten). Was soll ich sagen, sie ging auf, nicht besonders spektakulär, aber immerhin über der Wüste. Das Morgenlicht offenbarte auch die Nachbarschaft vieler ähnlicher Camps, an diesem Morgen machten sich in einiger Entfernung noch zwei weitere Menschen auf, puh – noch keine Überfüllung. Die drei männlichen Teilnehmer unserer Reise zählten am Abend von der höchsten Düne 15 Camps. Das anschließende Frühstück war sehr süß, aber liebevoll serviert. Der uns betreuende Berber war wirklich sehr zurückhaltend, wartete immer erst unsere Gespräche ab und versuchte sich (zumindest am Tisch) möglichst unsichtbar zu machen.

Am späteren Vormittag ging es dann wieder auf die Kamele und wir ritten zu einer Nomadenfamilie. Jens und ich kannten das schon von unserer Reise vor 8 Jahren, nur ging es bei uns damals weiter zu einem anderen Camp. Heute wussten wir schon, dass wir zurückreiten würden. Bei den Nomaden bekamen wir einen Tee und wir hatten sehr viel Zeit, das Kommen und Gehen der verschiedenen Touristen zu beobachten, die mit Jeeps „angekarrt“ wurden. Glücklicherweise machten sie wenigstens den Motor während der Wartezeit aus, leider nicht selbstverständlich hier.

Ich persönlich finde es ja immer fast ein bisschen peinlich, bei so armen Menschen „zu Gast“ zu sein, es hat ja auch immer etwas von Zoo. Andererseits weiß ich auch, dass sie dadurch etwas besser „über die Runden kommen“, ein zweischneidiges Schwert.

Zurück im Camp gab es ein leckeres Mittagessen, vollkommen vegetarisch (ich glaube sogar vegan) und im Anschluss viel Zeit zum Ausruhen, Relaxen, Hitze ertragen, Fliegen verjagen. Am Nachmittag rückte dann eine Filmcrew im Camp an und nun war es mit der Ruhe vorbei. Das Trommeln, was am Abend noch so romantisch am Lagerfeuer nur für uns erklang, gab es nun in Dauerschleife, da es irgendwann und irgendwie auf Speichermedien gebannt werden musste. Lagerfeuer flackerte am Nachmittag und ich sah den Versuchen zu, einen (Werbe-)Film zu drehen. Kleopas‘ Nachfragen waren nicht so ganz erfolgreich, im besten Fall wird es ein Film, um mehr Gäste ins Camp zu locken.

Da keine Kamele zur Verfügung standen und alle Mitarbeiter des Camps mit Trommeln, Tee servieren und Interviews geben beschäftigt waren, zogen die drei Nicht-Knie-Kranken per pedes zum Sonnenuntergang los und erklommen zumindest in Teilen 2/3 der höchsten Düne der Sahara. Ich habe aus weiter Entfernung nur 3 Punkte an verschiedenen Stellen gesehen und gestaunt.

Während die Herren unterwegs waren, wurde ich im Camp weiter dauerbeschallt, und das fand ich wirklich anstrengend. Im Vergleich zu dem letzten Aufenthalt war das für mich wirklich enttäuschend, da ich mich auf die Abwesenheit von Geräuschen so sehr gefreut hatte. Kaum war ich mit den vielen Filmleuten allein im Camp, musste ich mich möglichst unsichtbar machen (zum Glück teilte die Campkatze dieses Los schnurrend auf meinem Schoß) und es kamen noch mehr Trommler mit noch größeren Trommeln, die auch noch lauter waren.

Nach dem Sonnenuntergang kamen die drei Wüstenläufer zurück und peu a peu verschwanden Filmcrew und Trommler (letztere nicht, ohne vorher noch ihre Abendgebete verrichtet zu haben). Plötzlich war wieder alle Aufmerksamkeit auf uns gerichtet, ein Tisch wurde gedeckt nach draußen getragen und es gab ein leckeres Abendessen (mit Fleisch, aber das konnten Jens und ich vertilgen). Danach verzogen wir uns alsbald in unsere Zelte, da wir entschieden hatten (nicht einstimmig!), dass wir 6.30 Uhr frühstücken und dann losreiten wollten. Kleopas bemerkte heute morgen zurecht, dass wäre ja wie Schule (also die Zeit des Aufstehens) und ich kann ihm nur zustimmen.

Aufstehen und frühstücken hat dann heute morgen erstaunlich gut geklappt, wer nicht pünktlich war, war unser Kamelführer. Nach ausreichend Dank an den uns umsorgenden Berber und den Koch kamen auch die Kamele in Sicht und nach ca. 10 Minuten auf deren Rücken erklomm die Sonne das Himmelszelt in unserem Rücken. Nach einer halben Stunde gab es dann aber nochmal das richtige Wüstengefühl, keine Camps, keine anderen Menschen, nur 4 Kamele und wir.

Hatte ich allerdings zu Beginn noch das Gefühl, heute könnte es mit dem Reiten auf dem Kamel ganz gut funktionieren, musste ich mich nach ca. einer Dreiviertelstunde selbst korrigieren. Es war furchtbar, trotz Fahrradhose. An dieser Stelle sei allerdings auch erwähnt, dass die unter 20jährigen Mitreisenden gern im Schneidersitz auf den Dromedaren saßen, sich auch mal auf die Seite setzten etc.pp. Ich fasse zusammen: Ich bin alt!

Nach ca. eineinhalb Stunden waren wir zurück im Ksar Bicha, zurück in der Zivilisation. Der erste Weg führte uns zur Bezahlung. Eine Trekkingtour über zwei Nächte/drei Tage scheint aktuell noch so selten zu sein, dass erst einmal der Chef angerufen werden musste, um den Preis zu erfahren. Das ist natürlich schön für die Wüste, aber ist es auch gut für die Betreiber der Camps?

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